Zielgruppe: Die Summer School richtet sich an fortgeschrittene Masterstudierende, Doktorand*innen und Early-Career-Forschende aus den Fachrichtungen Historische Musikwissenschaft, Gender Studies, Digital Humanities, Kulturwissenschaft, Musikphilologie und angrenzenden Fächern
Diese Summer School ist als Erasmus+ Blended Intensive Programme (BIP) organisiert.
ECTS-Anrechnungspunkte: 3
Kosten: Es wird keine Teilnahmegebühr erhoben.
Unterrichtssprache: Deutsch und Englisch
Diese Summer School ist als Erasmus+ Blended Intensive Programme (BIP) organisiert.
Anmeldung: Anmeldeformular auf Webpage
Bewerbungsfrist: 31. Mai 2026
Beschreibung:
Wie verändert sich unser Verständnis von Musikgeschichte und Musikgeschichtsschreibung, wenn digitale Verfahren und musikbezogene Gender Studies zusammenwirken, kurz: wenn Quellen auf KI treffen?
Die Summer School Wissen – Gender – Mobilität. Digitale Perspektiven in der Musikwissenschaft lädt fortgeschrittene Masterstudierende, Doktorand*innen und Early-Career-Forschende während der Summer School dazu ein, aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Historischer Musikwissenschaft, Gender-, Mobilitäts- und Netzwerkforschung, Digital Humanities und Künstlicher Intelligenz gemeinsam zu diskutieren und praktisch zu erproben.
Ausgangspunkt ist die Frage, wie musikhistorisches Wissen entsteht, strukturiert, vermittelt, zirkuliert und durch digitale Verfahren transformiert wird. Im Zentrum stehen die epistemologischen und methodischen Entscheidungen, die mit digitalen Forschungspraktiken, KI-gestützten Verfahren, musikbezogener Mobilitätsforschung und Historischer Netzwerkforschung verbunden sind. Besonderes Augenmerk gilt der Kategorie Gender – als Forschungsgegenstand, Analyseperspektive und als möglicher Bestandteil von Vorentscheidungen, Datenmodellen, Programmierungen und digitalen Prämissen im gesamten Forschungsprozess. Ziel ist es, digitale Methoden kritisch einschätzen und zugleich ihr Potenzial für neue, gendersensible Zugänge zur Musikgeschichte und zur Visualisierung komplexer Zusammenhänge ausloten zu können.
Die musikbezogene Mobilitätsforschung und die Historische Netzwerkforschung sind hochaktuelle Forschungsansätze und neben anderen digitalen und KI-gestützten Verfahren nicht mehr aus der Historischen Musikwissenschaftsforschung wegzudenken: Mobilität von Künstler*innen und transnationale Bewegungen prägten und prägen das musikalische Leben seit Jahrhunderten. Mobilität gilt als entscheidender Motor zur Entwicklung von (Musik-)Kultur. Musiker*innen sorg(t)en im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Berufsmobilität für die Zirkulation von Wissen, Diskursen, kulturellen Praktiken, von (Noten-)Texten und Instrumenten. Neben der räumlich-geografischen Mobilität sind vor allem ‚künstlerische’, ‚soziale‘, ‚mentale‘, ‚intellektuelle’ u.a. Dimensionen von Mobilitäten erkenntnistheoretisch gewinnbringend. Dabei spielen soziale Beziehungen zwischen Komponist*innen, Musiker*innen, Sänger*innen, Mäzen*innen und Institutionen eine zentrale Rolle, die mittels der Historischen Netzwerkforschung systematisch untersucht werden. Digitale Methoden ermöglichen es, solche komplexen Dynamiken in Karten oder interaktiven Netzwerken sichtbar zu machen, sie zu analysieren und wiederum explorativ für weitere Forschungsfragen zu verwenden.
Dabei werden digitale Methoden wie Datenmodellierung, Klassifikation, Mapping von Mobilitäten, Netzwerkanalyse, Visualisierungen und KI-gestützte Ansätze als Verfahren verstanden, die (mit unseren Vorentscheidungen) selbst in die musikhistorische Wissensproduktion eingreifen. Sie unterliegen unserem Wissenschaftsverständnis, bestimmen, welche musikhistorischen Ereignisse, Handlungen und Akteur*innen erinnert werden und nehmen Einfluss auf die Art und Weise, wie Musikgeschichte erzählt wird.
Im Zentrum stehen folgende miteinander verflochtene Themenkomplexe:
– Wie wird Musikgeschichte geschrieben und welche impliziten Annahmen zu Gender, Mobilität und Wissen strukturieren musikhistoriographische Modelle?
– Welche Rolle spielen Mobilität, Migration und transnationale Netzwerke für musikalische Praktiken, Akteurinnen und Akteure sowie Wissenszirkulationen?
– Wie können Mapping, historische Netzwerkanalyse und digitale Visualisierung helfen, solche Bewegungen und Relationen zu analysieren – und wo liegen die Grenzen dieser Verfahren?
– Wie lässt sich „Gender“ als analytische Kategorie produktiv mit digitalen Methoden verbinden? Welche genderbezogenen Setzungen liegen digitalen Verfahren und KI zugrunde? Und wie verändert sich unser Bild von Musikgeschichte, wenn Gender-Perspektiven miteinbezogen werden?
– Inwiefern beeinflussen/verändern KI und digitale Analyse- und Visualisierungstools unseren Zugang zu historischen Quellen, zur Wissensproduktion und zur Musikhistoriographie?
Formate:
Die Summer School ist als forschungsorientiertes Intensivformat konzipiert. Sie verbindet theoretische Reflexion, methodische Einführung, praktische Erprobung und kollegialen Austausch. Geplant sind unter anderem:
– Lectures und Expert Sessions mit eingeladenen Fachwissenschaftler*innen
– Hands-on Workshops zu digitalen Methoden wie Datenmodellierung, Mapping und Netzwerkanalyse
– Diskussionen ausgewählter Fachliteratur
– Arbeit mit Originalquellen und Fallstudien
– Working Groups
– Peer-Austausch
– Roundtable mit Expert*innen
– Stadtführung und optionaler Exkursionstag
Rückfragen erbeten an: summerschool(at)kug.ac.at

