Mendelssohn und die Nachwelt – Online-Symposium am 13. und 14. November 2026

Die Rezeption der Werke Felix Mendelssohns war zu seinen Lebzeiten intensiv und umfangreich, wenn auch schon damals nicht immer positiv konnotiert. Seine Kompositionen
galten als Ausprägung einer melodie-betonten Romantik, waren von einem Lebensgefühl geprägt, welches Geborgenheit und Schönklang vermittelte, was in einer Zeit von
Heldenmythen in Musikdramen und Sinfonischer Dichtung immer weniger Zuspruch fand. Zwar hat Mendelssohn mit seinen Konzert-Ouvertüren „Das Märchen von der schönen
Melusine“ (op. 32), „Meeresstille und glückliche Fahrt“ (op. 27) oder „Sommernachtstraum“ (op. 21) selbst beispielhafte Tondichtungen geschaffen, jedoch sind diese vom Klangerlebnis nicht mit den Kompositionen von Wagner und Liszt vergleichbar. Was ihn von anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts unterschied, betraf die Integration zahlreicher heterogener Traditionslinien in sein OEuvre. Dieser starke Bezug auf Denkimpulse aus anderen Epochen brachte ihm den Vorwurf ein, Epigone, sogar Plagiator zu sein, was schon früh mit antisemitischen Stereotypen einherging. Dieser Zweifel an seinem stilbildenden Wirken führte dann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Brüchen in der Rezeption seiner Musik.
Andererseits ist Mendelssohn durch etliche Werke, wie dem „Sommernachtstraum“ op. 61, dem Oktett op. 20 oder dem Violinkonzert op. 64 fest im kulturellen Gedächtnis und im
Kanon der Musik verankert. Seine Herkunft, seine Weltanschauung und sein religiöses Bekenntnis zum Christentum polarisierten die Akzeptanz seiner Musik in Deutschland, nicht nur zwischen 1933 und 1945. Ob Mendelssohns Konversion Einfluss auf die Resonanz seiner Werke, die Akzeptanz und Quantität der Aufführungen seiner Musik gehabt hat, ist für die Thematik des Symposiums von besonderem Interesse. Die Hochschule für Musik in Leipzig (seit 1972) sowie der Mendelssohn Club of Philadelphia (1874) tragen seinen Namen. Impulsgeber für eine breite Rezeption und Forschung war die Leipziger Ausgabe der Werke von Mendelssohn (LMA), die zwar noch nicht abgeschlossen ist, aber schon Wesentliches dazu beigetragen hat, seine Werke, Briefe, Tagebücher, Zeichnungen und Aquarelle sowie andere Dokumente zu erschließen und der Forschung zur Verfügung zu stellen.
Gegenwärtige Editionen seiner Kompositionen enthalten nicht nur quellenkritische Anmerkungen, sondern auch Hinweise zur Interpretation. Hinzu kommt eine kaum mehr
übersehbare Anzahl von Einspielungen auf Schallplatten, CDs und im Internet, bis hin zu Dokumentationen bzw. Reportagen zu ausgesuchten Kompositionen und zu seinem Schaffen insgesamt. Ein Desiderat der Forschung ist die unterschiedliche Rezeption von Mendelssohns Musik weltweit: So stand das erste Mendelssohn-Denkmal in London (seit 1860) und nicht in Leipzig oder Berlin, den Hauptorten seines Lebens und Wirkens. Selbst in Amerika war Mendelssohn schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts kein Unbekannter, da seine Lieder und Oratorien bereits zwischen 1850 und 1852 durch Jenny Linds USA-Tournee einem breiten Publikum nahegebracht wurden.
Das Anliegen des Online-Symposiums ist es, die Rezeption der Mendelssohn‘schen Werke zu erfassen und die Bedeutung seiner Kompositionen für das Musikleben der Gegenwart zu diskutieren.

Veranstaltung

veranstaltet durch:
Prof. em. Dr. Michael Heinemann (HfM Dresden); Dr. des. Susanne Claus (Leipzig); Luca Galbiati (Milano)

online

13.11.2026

bis 14.11.2026