Wir freuen uns, den Call for Papers für die interdisziplinäre Konferenz „Aufführungspraxis am Grazer Hof um 1600“ bekannt zu geben, die vom 11. bis 13. Mai 2026 in Graz stattfinden wird.
Organisation: Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG), Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis.
Eine Folge der Teilung der habsburgischen Erblande nach dem Tod Ferdinands I. im Jahr 1564 war die Etablierung dreier unabhängig voneinander geführter Höfe in Innsbruck, Graz und Wien. Durch die dynastischen Verbindungen bestand ein reger Austausch zwischen den Höfen, was sich auch auf die Musikpflege auswirkte. Graz als südlichste Residenzstadt spielte sowohl politisch und gesellschaftlich als auch musikalisch eine Sonderrolle. Hier fand die damals aufblühende italienische Musikkultur den frühesten Eingang, und als der Grazer Erzherzog Ferdinand II. 1619 Kaiser wurde, verlegte er seine bereits bestehende Hofkapelle nach Wien, womit die fast 200 Jahre währende Vorherrschaft der ‚Italianita‘ in der habsburgischen Hauptstadt begann.
Während die Hofmusik in Wien und Innsbruck sowie ihr soziokultureller Kontext bereits gut erforscht sind und sowohl im fachspezifischen als auch im interdisziplinären Diskurs regelmäßig thematisiert werden, fehlt eine dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechende Aufarbeitung der Quellenlage zur Musik und zur musikalischen Praxis am Grazer Hof von 1564 bis 1619 nahezu vollständig.
Das Organisationskomitee begrüßt Vorschläge zu Themen aus der Zeit der Renaissance und des frühen 17. Jahrhunderts, wie zum Beispiel:
- Musik an habsburgischen Höfen (musikalisches Mäzenatentum, Hofzeremoniell und Liturgie)
- Musikpraxis (Reenactment, Chorbücher, Aufführungsorte, improvisatorische Praktiken, Organologie)
- Kulturtransfer
- Venezianische Mehrchörigkeit
- Ikonographie
- Musikpädagogik
- Musiksoziologie
- Virtuelle Akustik/neue Ansätze der Wissenschaftsvermittlung
Wissenschaftler:innen sind eingeladen, Vorschläge für Vorträge einzureichen, die nicht länger als 20 Minuten dauern sollten. Die Abstracts sollten nicht länger als 300 Wörter sein und von einem kurzen Lebenslauf von maximal 150 Wörtern begleitet werden. Dieser sollte den Namen des Autors/der Autorin, eine E-Mail-Adresse und institutionelle Zugehörigkeit enthalten.
Vorschläge sind zu richten an: bernhard.rainer@kug.ac.at
Offizielle Sprachen: Deutsch und Englisch
Einreichungsfrist: 15. Januar 2026. Die Ergebnisse werden bis zum 15. Februar 2026 bekannt gegeben.
Die Tagung „Performance Practice at the Graz Court around 1600” findet im Rahmen des gleichnamigen Forschungsprojekts statt, das vom FWF gefördert wird. Das Projekt nutzt einerseits etablierte Methoden der Disziplin, um Wissenslücken zu diesem Thema zu schließen. Zum anderen umfasst es einen empirischen Teil, in dem Werke von Grazer Hofkomponisten an historischen Orten (z.B. Grazer Dom) reenactet werden. Dabei konzentriert man sich nicht nur auf die Aufführungen selbst, sondern auch auf den Probenprozess. Insbesondere bei polychoralen Aufführungen unterscheiden sich die historischen Produktionsmethoden (Ensembleaufstellung, Ensembleleitung, Notenmaterial) erheblich von modernen Konventionen. Diese Reenactments werden durch musiksoziologische Methoden begleitet. Darüber hinaus wird die Akustik des Grazer Doms in einer Virtual-Reality-Anwendung rekonstruiert, da sie sich durch Umbauten mutmaßlich erheblich verändert hat.
