Frauen im Umfeld des späten Liszt – Künstlerische Netzwerke, Patronage und weibliche Handlungsmacht / Women in Franz Liszt’s Circle in his Later Years: Artistic Networks, Patronage, and Female Agency

Frauen im Umfeld des späten Liszt – Künstlerische Netzwerke, Patronage und weibliche Handlungsmacht (English version below)

 

Die dreiteilige Tagung, ein Kooperationsprojekt zwischen dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, dem Franz Liszt Gedenkmuseum und Forschungszentrum, Budapest, und dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg, widmet sich den späten Jahren Franz Liszts. Im Mittelpunkt des zweiten Teils, der vom 20. bis 22. Oktober 2027 im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar stattfindet, steht ein im Liszt-Kontext vielbeachteter, aber dennoch kaum hinreichend gefasster Themenkomplex: die facettenreichen weiblichen Beziehungsgeflechte, die den Komponisten umgaben und sein künstlerisches Wirken, sein öffentliches Auftreten und sein Privatleben entscheidend prägten.

Liszts vielschichtige Verhältnisse zu Frauen und Weiblichkeit sind in ihren unterschiedlichen Perspektiven wie in ihrer Ambivalenz bisher nur in Ausschnitten untersucht. Statt den Komponisten und seine vielfältigen Beziehungen zu weiblichen Akteurinnen losgelöst oder gar als Sonderfall zu verstehen, richtet die Tagung den Blick auf die kursierenden Geschlechterdiskurse, die verschiedenen sozialen Netzwerke und die künstlerischen Transformationsprozesse des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Liszt selbst übernahm einerseits die zeitgenössischen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit und reproduzierte damit gängige Geschlechterbilder. Andererseits begegnete er zahlreichen Gefährtinnen, Freundinnen, Schülerinnen, Kolleginnen und Biographinnen im persönlichen und künstlerischen Austausch als eigenständige intellektuelle Partnerinnen.

Die Tagung fragt explizit nach der weiblichen Handlungsmacht in den künstlerischen Austauschprozessen des späten Liszt in seiner ganzen Vielfalt. Zur Diskussion stehen Lehrer-Schülerinnen-Beziehungen, Liszts Dialog mit seinen Interpretinnen, die gemeinsame künstlerische Arbeit und gegenseitige Einflussnahme. Zugleich rücken die Werke des späten Liszt selbst in den Fokus. Frauen erscheinen nicht nur als biographische Bezugspunkte, sondern auch als literarische, spirituelle und symbolische Figuren. Themen wie Religiosität, Alter, Erinnerung, Trauer, Transzendenz und künstlerische Identität lassen sich aus einer geschlechterhistorischen Perspektive ebenso neu beleuchten wie die Rolle von Frauen bei der Entstehung, Vermittlung und Rezeption von Liszts späten Kompositionen. Die Tagung versteht sich daher als Forum, das die Forschung zum späten Liszt mit aktuellen methodischen Ansätzen verbindet und insbesondere die Rolle von Frauen als Mitgestalterinnen und Adressatinnen seines künstlerischen und intellektuellen Umfelds analysieren und sichtbar machen möchte.

 

 

 

Willkommen sind Beiträge zu folgenden Themenfeldern:

  • Familie, Künstlerfreundschaften und -korrespondenzen, Netzwerke
  • Schülerinnen, Interpretinnen, Widmungsträgerinnen und Mäzeninnen
  • Austausch mit Künstlerinnen unterschiedlichster Bereiche (Musik und andere Künste)
  • Weibliche Spiritualität, Religiosität und Heiligenfiguren
  • Weibliche Figuren und Geschlechterentwürfe in den späten Kompositionen

 

Die Tagung richtet sich an Wissenschaftlerinnen aus Musik-, Kultur-, Literatur- und Geschichtswissenschaften sowie aus benachbarten Disziplinen. Besonders willkommen sind interdisziplinäre Beiträge sowie Einreichungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen.

Vorgesehen sind Vorträge von 20 Minuten mit anschließender Diskussion. Bitte senden Sie ein Abstract (max. 300 Wörter) sowie eine Kurzbiographie (max. 150 Wörter) bis zum 15. September 2026 an Ulrike Roesler per E-Mail unter: ulrike.roesler@klassik-stiftung.de.

 

 

Women in Franz Liszt’s Circle in his Later Years: Artistic Networks, Patronage, and Female Agency

 

The three-part conference, a collaborative project between the Goethe and Schiller Archive in Weimar, the Franz Liszt Memorial Museum and Research Centre in Budapest, and the Department of Musicology at Heidelberg University, is dedicated to the late years of Franz Liszt. The second conference, to be held at the Goethe and Schiller Archive in Weimar from October 20–22, 2027, focuses on a topic that has attracted considerable attention in Liszt scholarship but has yet to be adequately defined: the complex networks of women surrounding the composer, which profoundly shaped his artistic activities, his public persona, and his private life.

The multifaceted nature of Liszt’s relationships with women and his conceptions of femininity has so far been explored only in part and from a limited range of perspectives. Rather than treating the composer and his diverse relationships with female figures in isolation—or even as an exceptional case—the conference situates them within the broader context of contemporary gender discourses, social networks, and the artistic transformations of the late nineteenth century. On the one hand, Liszt adopted prevailing notions of femininity and masculinity, thereby reproducing dominant gender norms. On the other, his personal and artistic exchanges with companions, friends, students, colleagues, and biographers reveal relationships with intellectually independent women whom he regarded as equal interlocutors.

The conference explicitly examines female agency within the diverse artistic exchange processes surrounding Franz Liszt in his later years. Discussions will address teacher–student relationships, Liszt’s dialogue with his female performers, collaborative artistic practices, and processes of mutual influence. At the same time, the works of Liszt’s late period themselves come into focus. Women appear not only as biographical points of reference, but also as literary, spiritual, and symbolic figures. From a gender-historical perspective, themes such as religiosity, aging, memory, mourning, transcendence, and artistic identity can be reconsidered, as can the role of women in the creation, mediation, and reception of Liszt’s late compositions. The conference thus aims to provide a forum that connects research on Liszt’s later years with current methodological approaches and, in particular, seeks to analyze and illuminate the role of women as co-creators and recipients within his artistic and intellectual environment.

We welcome contributions addressing the following thematic areas in Liszt’s later work:

  • Family, artistic friendships and correspondence, and networks
  • Female students, performers, dedicatees, and patrons
  • Exchanges with women artists from a wide range of fields (music and other arts)
  • Female spirituality, religious practices, and representations of saints
  • Female figures and constructions of gender in Liszt’s late compositions

The conference is aimed at scholars from the fields of musicology, cultural studies, literary studies, history, and related disciplines. We particularly welcome interdisciplinary contributions as well as submissions from early-career researchers.

The conference format will consist of 20-minute presentations followed by discussion. Please submit an abstract (maximum 300 words) and a brief biography (maximum 150 words) by 15 September 2026 via email to Ulrike Roesler at ulrike.roesler@klassik-stiftung.de.

Call for Papers

Typ: Veranstaltung

Frauen im Umfeld des späten Liszt – Künstlerische Netzwerke, Patronage und weibliche Handlungsmacht / Women in Franz Liszt’s Circle in his Later Years: Artistic Networks, Patronage, and Female Agency

Veranstalter*innen:
Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar, in Kooperation mit der Franz Liszt Gedenkmuseum und Forschungszentrum, Budapest, und dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg

Deadline:
15.09.2026

Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar

20.10.2027

bis 22.10.2027