Musikwissenschaftliche Karrierewege ins Ausland

Mobilität und Wissenschaft sind seit Langem eng miteinander verknüpft. Die Gründe für akademische Mobilität – ein Begriff, der in seiner einfachsten Form als (langfristige) Verlagerung des Lebensmittelpunkts definiert werden kann – sind vielfältig: Zugang zu Quellenmaterial und berufliche Möglichkeiten im Ausland, Kulturpolitik, Internationalisierung der Forschungslandschaft, Gründung von Institutionen, persönliche und berufliche Netzwerke usw. Akademische Mobilität kann das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, aber auch
durch politischen Druck und Verfolgung erzwungen sein. Internationale Biografien – etwa von Wissenschaftler*innen wie Higinio Anglès, Alfred Einstein, Vladimír Karbusický, Zofia Lissa oder Kathi Meyer-Baer – zeugen von den Verflechtungen von Musik, Forschung und Politik
sowie von der historischen Bedeutung und allzu oft sogar lebenswichtigen Notwendigkeit von Mobilität im Bereich der Musikwissenschaft. Mobilität ist jedoch nicht nur ein biografisches Phänomen, sondern auch eine zentrale Kraft bei der Herausbildung ganzer Disziplinen. Die
Mobilitäts- und Exilforschung hat in diesen Bereichen inzwischen eine starke Grundlage geschaffen (vgl. Schriftenreihe „Musik im ‚Dritten Reich‘ und im Exil“ und Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NSZeit) Es gibt mittlerweile zahlreiche Projekte, Monografien, Publikationsreihen und sogar eine Enzyklopädie, die ausschließlich vertriebenen Musiker*innen und Musikwissenschaftler*innen gewidmet sind. Dennoch bleiben viele einzelne Biografien und institutionelle Geschichten noch unerforscht – insbesondere im Hinblick auf nicht-westliche akademische Kulturen.

Mobilität spielt auch eine zunehmend wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Karrierewege in der Musikwissenschaft. Forschende in der frühen Karrierephase wechseln häufig Institutionen und sogar Länder, wenn sie zwischen befristeten Stellen wechseln, und es wird
oft erwartet, dass sie internationale Forschungs- und Arbeitserfahrungen sammeln. Mobilität ist zum wissenschaftspolitischen Leitmotiv geworden. Bereits 2003 schrieb die EU-Kommission: „Humanressourcen sind in den meisten Fällen ausschlaggebend für Erfolge in
der Forschung, die Erbringung von Spitzenleistungen und die Erreichung eines hohen Leistungsniveaus. In diesem Zusammenhang sind die Anzahl der Forscher und deren Mobilität zwei maßgebliche Aspekte.“ (Europäische Kommission, „Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament – Forscher im europäischen Forschungsraum: ein Beruf, vielfältige Karrieremöglichkeiten“, 17. Juli 2023)

Insgesamt ist dieses Arbeitsklima potenziell bereichernd für die Qualität und Reichweite musikwissenschaftlicher Forschung und fördert zudem eine zunehmende Diversität in der Zusammensetzung von Forschungsprojekten und -gemeinschaften. Internationale Fördermöglichkeiten stehen zur Verfügung, um angehende Wissenschaftler*innen zu unterstützen, stellen jedoch gleichzeitig erhebliche Herausforderungen dar. Eine akademische Laufbahn im Ausland besteht nicht nur im erfolgreichen Einwerben von Fördermitteln, sondern
ebenso in der Fähigkeit, sich in neue wissenschaftliche Kulturen, Bürokratien und Sprachen einzufinden. Aktuell werden Wege ins Ausland zudem durch soziale und politische Faktoren beeinflusst – etwa durch den Wegfall von Fördergeldern oder die Kündigung von Verträgen.
Das Symposium beleuchtet sowohl historische als auch zeitgenössische Karrierewege von Musikwissenschaftler*innen im Ausland. Es richtet den Fokus auf Aspekte der Internationalisierung, Institutionalisierung und Netzwerkbildung sowie auf bestehende Hürden und Strategien zu deren Überwindung. Obwohl akademische Mobilität in einer globalisierten Welt auch in anderen Disziplinen gefordert wird, ist die internationale musikwissenschaftliche Gemeinschaft durch ein spezifisches Netzwerk von Institutionen sowie historisch gewachsene
Allianzen und Konventionen geprägt, die eine einzigartige Topografie und Forschungslandschaft bilden. Diese gilt es zu untersuchen, produktiv infrage zu stellen und aktiv mitzugestalten.

Wir laden Beitragende ein, die Perspektiven auf folgende Themenbereiche eröffnen:

  • Erfahrungen und Herausforderungen akademischer Mobilität
  • Diversität und Interdisziplinarität in Forschungsgruppen
  • Mehrsprachigkeit und Sprachbarrieren
  • Erfahrungen und Herausforderungen bei der Integration in fremde akademische
    Umfelder
  • Erfahrungen und Herausforderungen bei der Beantragung internationaler Fördermittel
    (z. B. DAAD, Erasmus, DFG, Marie Curie etc.)
  • Erfahrungen und Herausforderungen bei der Rekrutierung internationaler Talente
  • Historische Beispiele akademischer Mobilität von Musikwissenschaftler*innen
    (insbesondere weniger bekannte und wenig erforschte Biografien)
  • Gründung internationaler und transnationaler Institutionen und Vereinigungen in der
    Musikwissenschaft
  • Mobilität im disziplinären Vergleich

Eine begrenzte Anzahl an Reisekostenzuschüssen für Unterkunft kann – vorbehaltlich einer erfolgreichen Bewerbung – zur Verfügung gestellt werden.

Bitte senden Sie ein Abstract im Umfang von max. 2000 Zeichen inkl. Leerzeichen zu dem von Ihnen geplanten Beitrag in deutscher, englischer oder italienischer Sprache bis zum 17. Oktober 2025 als PDF-Datei per E-Mail an Flavia Hennig: Hennig[at]sim.spk-berlin.de. Die
Benachrichtigung über die Annahme erfolgt Anfang November 2025.

Call for Papers

Typ: Veranstaltung

Musikwissenschaftliche Karrierewege ins Ausland

Veranstalter*innen:
Fachgruppe Nachwuchsperspektiven & Musikgeschichtliche Abteilung am Deutschen Historischen Institut in Rom

Deadline:
17.10.2025

Deutsches Historisches Institut Rom

25.02.2026

bis 27.02.2026