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Fachgruppe Deutsch-Ibero-Amerikanische Musikbeziehungen Show image information
Fachgruppe Systematische Musikwissenschaft |
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Fachgruppe Musikwissenschaft im interdisziplinären Kontext |
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Links: Karnatische Musik mit Lalitha und Nandini Muthuswamy
Mitte oben: Das Tonbandgerät "Nagra IV-S" – ein Klang-Aufnahmegerät, das oft während Feldforschungen eingesetzt wurde
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Rechts: Die Musikstudentin Chiu Ju Liao beim Stimmen einer Yueqin Show image information
Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London) Show image information
D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2 Show image information

Kommission für Auslandsstudien | Foto: Sabine Meine

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Fachgruppe Musikethnologie und vergleichende Musikwissenschaft | Links: Karnatische Musik mit Lalitha und Nandini Muthuswamy Mitte oben: Das Tonbandgerät "Nagra IV-S" – ein Klang-Aufnahmegerät, das oft während Feldforschungen eingesetzt wurde Mitte unten: Klangdokumente im Archiv Rechts: Die Musikstudentin Chiu Ju Liao beim Stimmen einer Yueqin

Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Musik und Vergnügen am Hohen Ufer. Fest- und Kulturtransfer zwischen Hannover und Venedig in der Frühen Neuzeit

Venedig, 05.-06.02.2015

Von Panja Mücke, Bonn – 16.03.2015 | Während die Musikpflege der von der „Monarchisierungswelle“ um 1700 erfassten kurfürstlichen Höfe Dresden und Berlin inzwischen recht gut erforscht ist, gilt dies noch längst nicht für Hannover. Zu den Welfen, die 1692 die neunte Kurwürde des Heiligen Römischen Reichs erhielten und von 1714 an auch die englische Krone trugen, ist die bislang vorliegende Literatur immer noch begrenzt – ungeachtet der Tatsache, dass die Rolle der Musik im Kontext des raschen Aufstiegs dieser Dynastie zum Kurfürsten- und Königtum besonders spannende Fragen aufwirft.

Die Hofkultur der Welfen zeichnet sich insgesamt durch eine ausnehmend starke Venedig-Orientierung aus, während der Wiener Kaiserhof als ein „Leithof“ (wie für Dresden und München nachgewiesen) demgegenüber eine geringere Rolle zu spielen scheint: Schon ab 1660 etablierte Georg Wilhelm eine Karnevalssaison nach venezianischem Vorbild in Hannover. Ein Vierteljahrhundert später wurde durch Herzog Ernst August nicht nur ein Opernhaus nach venezianischem Vorbild errichtet, sondern auch der Venezianer Agostino Steffani als Hofkapellmeister angestellt, mit dessen panegyrisch konzipierter Oper Enrico Leone man das Theater 1689 einweihte. Zudem ist auf die Reisen hinzuweisen: Es war zwar Standard für den Adel in der Frühen Neuzeit, während der Grand Tour auch Venedig zu besuchen, wobei etwa an den bayrischen Kurprinzen Karl Albrecht und den sächsischen Kurprinzen Friedrich August zu erinnern wäre. Aber derartig langfristige Venedig- Aufenthalte wie für die Welfen-Prinzen Georg Wilhelm, Ernst August und Johann Friedrich (der auch als Herzog noch für Monate nach Venedig reiste) verbürgt, sind als eine Ausnahme einzustufen.

Anlässlich des 300jährigen Jubiläums der Besteigung des englischen Throns durch den Hannoveraner Kurfürsten Georg Ludwig  fand eine interdisziplinäre Doppeltagung statt, die zahlreiche Forschungsdesiderata bezüglich der Welfen-Höfe in den Blick nahm. Der erste Teil wurde am 4. / 5. Dezember 2014 in Hannover durchgeführt und war zumal der Festkultur Hannovers in der Frühen Neuzeit im Vergleich zur Hofkultur anderer Residenzen im deutschsprachigen Raum sowie den kulturellen Transferprozessen von Venedig nach Hannover gewidmet. Der zweite Teil fand in Venedig am 5. / 6. Februar 2015 statt und stellte den Einfluss Venedigs für die Festkultur Hannovers ins Zentrum. Veranstalter des zweiten Teils waren das Deutsche Studienzentrum in Venedig und die Università Ca’Foscari Venedig, die Leitung hatten Sabine Meine (Musikhochschule Detmold / Universität Paderborn) und Nicole K. Strohmann (Forschungszentrum für Musik und Gender, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) inne. Die Tagung wurde großzügig von der  Volkswagen-Stiftung gefördert und fand im Deutschen Studienzentrum sowie an historischem Ort statt, im Palazzo Foscari, dem einstigen Wohnsitz der Welfen am Canal grande. Kooperationspartner beider Tagungen waren die Universität Paderborn, die Hochschule für Musik Detmold und  die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Der zweite Teil der Tagung in Venedig widmete sich fünf Themenschwerpunkten: Im ersten Panel ging es um die Modellbildung und die Transferprozesse im Blick auf die venezianische Festkultur, was in drei Vorträgen entfaltet wurde: Jörn Steigerwald (Paderborn) behandelte den venezianischen Karneval im Spannungsfeld von höfischer Festkultur und Lachkultur, wobei er die Texte Goldonis und Gozzis fokussierte. Daria Perocco (Venedig) akzentuierte in ihrem Vortrag die einzigartigen, durch die Lage wie die Palastarchitektur bedingten Festelemente Venedigs, insbesondere die Regatta, und David Bryant (Venedig) ging es vor allem um die Vielfalt kirchenmusikalischer Ereignisse im Venedig der Frühen Neuzeit.

Im zweiten Panel wurden die Feste für hohe auswärtige Gäste sowie die Feste der ausländischen Gesandten diskutiert.  Evelyn Korsch (Erfurt/Venedig) behandelte Claudio Cornelio Frangipanes Tragedia, die 1574 für den Staatsbesuch Heinrichs III . gedichtet und von Claudio Merulo in Musik gesetzt worden war, sowie die  Nachwirkung dieser mythologischen musikdramatischen Form als Element venezianischer Staatsakte ab 1595. Anna Claut (Venedig) stellte einen Überblick über die Quellenbestände der Biblioteca Marciana hinsichtlich der venezianischen Festkultur vor; Tobias C. Weißmann (Berlin/Venedig) analysierte repräsentative Feste der kaiserlichen und französischen Gesandten als wichtige Elemente der venezianischen Festkultur und Medium der Selbstdarstellung.

Die Reiseberichte aus Venedig standen im dritten Panel im Zentrum; bei Andrea Grewe (Osnabrück) und Eleonora Lanza (Turku) diejenigen der Welfen-Prinzen und von Sophie von der Pfalz; beim Abendvortrag von Rotraud von Kulessa (Augsburg) die Rezeption der venezianischen Kultur durch französische Reisende. Fallbeispiele der Karnevalskultur bildeten den Schwerpunkt des vierten Panels. Andrea Zedler (Regensburg) analysierte Dokumente zu den Prinzenreisen des sächsischen Kurprinzen Friedrich August und des bayrischen Kurprinzen Karl Albrecht, deren Präsenz auch musikalische Ereignisse im venezianischen Karneval 1716 prägte. Den Reiz von Prostitutierten und Cortegiane oneste als Teil der venezianischen Karnevalskultur diskutierte Sabine Herrmann (Göttingen), die Verwendung historischer Gestaltungselemente im heutigen venezianischen Karneval Petra Schaefer (Venedig/Basel).

Das fünfte und letzte Panel der Tagung stellte neben der Tradition der Serenata als spezieller, anlassbezogener Festmusik (Adriana De Feo, Salzburg) insbesondere die musikalischen Bedingungen am Welfen-Hof und ihren Austausch mit Venedig ins Zentrum – Helen Coffey (Milton Keynes) referierte über von ihr neu aufgefundene Quellen aus dem Staatsarchiv Hannover für das späte 17. Jahrhundert; Sabine Ehrmann-Herfort (Rom) und Reinmar Emans (Hamburg) widmeten sich zum einen der Zirkulation der Musiker wie Kompositionen zwischen Hannover und Italien, zum anderen der Rolle Antonio Sartorios als Hofkapellmeister.

Die Diskussionen zu den Vorträgen konzentrierten sich insgesamt auf die Funktion von Musik und Fest in Venedig, auf die konkrete bildliche wie musikalische Gestaltung der multimedialen Spektakel, auf ihren Casus-Bezug sowie auf Kulturtransferprozesse zwischen Hannover und Venedig durch die langfristige Präsenz der Welfen-Prinzen im Palazzo Foscari. Ferner erörterte man den sozialen Aspekt der gesellschaftlichen Isolation ausländischer Gesandter sowie die Tatsache, dass auf dem Fest-Kalender Venedigs nicht nur „eigene“  Veranstaltungen standen, sondern hierzu zahlreiche, von den ausländischen Gesandten veranstaltete und finanzierte Feste traten. Als noch nicht genügend aufgearbeitet hat – da waren sich die Tagungsteilnehmer einig – die Frage nach der Etablierung einer Karnevalssaison als höfischem Charakteristikum zu gelten und der differenzierte Vergleich der Einzelfälle mit dem Modell Venedigs.

Ergänzt wurde die ertragreiche und von lebendiger Diskussion geprägte Tagung am ersten Abend durch ein eindrucksvolles Konzert des Norddeutschen Figuralchors und der Scuola Musica Antica di Venezia in der Chiesa di San Rocco mit Kompositionen von Agostino Steffani, Antonio Lotti, Alessandro Scarlatti, Antonio Caldara u.a.