Tagungsberichte

In dieser Rubrik finden Sie Berichte über vergangene Tagungen & Kongresse folgender Jahrgänge:

 

 

Die fünf neuesten Berichte:

 

 

Siegburg, 20. bis 22. September 2019

200 Jahre Hammerklaviersonate

von Philipp Haug, Siegburg

Kurz vor dem großen Beethovenjahr 2020 blickte man in Siegburg – aus Anlass ihres 200. „Geburtstages“ – intensiv auf die 1819 erschienene „Hammerklaviersonate“ op. 106. Sie gilt in der gesamten Klavierliteratur aufgrund ihrer exorbitant hohen gedanklichen und pianistischen Ansprüche als Ausnahmewerk. Veranstaltet wurde das Symposium von der Musikwerkstatt Siegburg in Kooperation unter anderem mit dem Beethovenfest Bonn.

Das Themenspektrum der dreitägigen Veranstaltung war weit gespannt: Neben Werkentstehung und -überlieferung, musikhistorischer Stellung und Rezeptionsgeschichte wurden vor allem Fragen zur Aufführungspraxis in den Mittelpunkt gestellt. Dazu gehörten Tempoentschlüsselung, Metronomisierung, Pedalgebrauch, das Instrumentarium der Beethovenzeit und die Frage nach möglichen aufführungspraktisch relevanten Quellen. Ziel des Symposiums war es, Wissenschaftler, Künstler und Experten aus unterschiedlichen Gebieten zusammenzubringen. Exemplarisch wurden so anhand der Hammerklaviersonate aufführungspraktische Fragen diskutiert, die auch für andere Klavierwerke Beethovens und der Wiener Klassik relevant sind. Zwei Klavierabende des Beethovenfestes Bonn ergänzten das Symposium. Die Hammerklaviersonate wurde dabei von Tomoki Kitamura am modernen Flügel und am folgenden Tag von Ronald Brautigam am historischen Graf-Hammerflügel interpretiert. Dazu kamen ein moderiertes Konzert zur kompositorischen Rezeption der Hammerklaviersonate bei Mendelssohn und Brahms sowie ein praktischer Workshop zu historischen Metronomangaben. Weiterlesen...

Leipzig, 23. bis 24. November 2019

„Was ist Musikphilosophie?“

von Kira Henkel, Gießen

„Braucht die Musikphilosophie die Musikwissenschaft? Und: Braucht die Musikwissenschaft die Musikphilosophie?“ Mit diesen Fragestellungen eröffnete Wolfgang Fuhrmann in seinem Beitrag das musikphilosophische Symposium an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) Leipzig. Gleich zu Beginn stellte er damit grundlegende interdisziplinäre Diskussionspunkte heraus, unter welchen die Tagung im Vorfeld angekündigt worden war: „Was ist Musikphilosophie?“, kann sie sich als eine eigenständige Disziplin definieren lassen – falls ja, wie positioniert sie sich gegenüber anderen Fachbereichen und nach welchen Paradigmen lässt sie sich denken und fassbar machen? Die Veranstalter dieser Tagung, Fuhrmann (Universität Leipzig) und Claus-Steffen Mahnkopf (HMT Leipzig), hatten im Interesse eines Dialogs über das Grundsätzliche der Musikphilosophie Redner*innen vornehmlich aus den Bereichen der Musikwissenschaft und Philosophie eingeladen. Es ergab sich daraus ein Programm, das sich nicht allein durch sein breites Themenspektrum und eine Vielfalt verschiedenster Ansätze und Sichtweisen auszeichnete, sondern auch aufgrund seiner interdisziplinären Konzeption, welche eine lebendige Reflexions- und Diskussionskultur in diesen beiden Tagen anregte. Weiterlesen...

Leipzig, 29. bis 31. Januar 2020

Eastern European Emigrants and the Internationalisation of 20th-Century Music Concepts

von Rachel Hercygier und Anna Fortunova, Leipzig

Das 20. Jahrhundert ist von globalen kulturellen Transferprozessen geprägt. Aus- und einwandernde Künstler brachten ästhetische Konzepte, Modelle und Techniken über die Landesgrenzen hinaus. Nicht immer war diese Emigration freiwilliger Natur, sondern oft erzwungen aufgrund der politischen Umstände in den Heimatländern. Die internationale Tagung am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig beschäftigte sich insbesondere mit Musikemigranten aus Osteuropa. Ziel der Konferenz war es, deren Wege nachzuzeichnen und dabei das Augenmerk auf die Produktivität der Kulturtransferprozesse und die Internationalisierung künstlerischer Konzepte zu legen.

Zum Auftakt der Tagung thematisierten Anna Fortunova und Stefan Keym (Leipzig), die beiden Organisatoren der Tagung, die Rolle der Musik in Migrationsprozessen aus Osteuropa im 20. Jahrhundert anhand von Fallbeispielen wie Pëtr Suffčinʼskij und Aleksandr Čerepnin. Keym unterstrich außerdem mit Verweis auf die Kulturtransfertheorie von Michel Espagne und Michael Werner, dass der Erfolg eines in einen anderen Raum übertragenen Kulturkonzepts oder -objekts nicht nur von der Qualität dieses Konzepts oder der Überzeugungskraft seines Verfassers abhänge, sondern auch und vor allem von den Bedürfnissen der Kultur, die das Konzept übernimmt. So wäre die Frage nicht nur, welche Ziele und Strategien osteuropäische Musiker im ,Westen‘ verfolgten, sondern auch, welche Aspekte ihrer Musik oder Musikästhetik für ihre Kollegen und Publika in verschiedenen Ländern von besonderem Interesse und Attraktivität waren und inwieweit sie hier in Lücken stießen, die einheimische Komponisten nicht zu füllen vermochten. Weiterlesen...

Paderborn, 26. September 2019

Musik im Blick. Auditive und visuelle Kulturen. Methoden der Annäherung

von Stephanie Schroedter, Heidelberg

Es erstaunt, dass von den Bildwissenschaften bzw. Visual Studies – soweit sie sich auch bildlicher Darstellungen von Musik annehmen – bislang kaum zur Kenntnis genommen wurde, dass die Musikwissenschaft bereits auf zahlreiche Aktivitäten zur Erschließung musikrelevanter Bildquellen zurückblicken kann. Zu nennen sind hier u.a. die Begründung des Répertoire Internationale d’Iconographie Musicale (RIdIM) in den 1970er Jahren und die damit verbundene Durchführung jährlicher Konferenzen rund um diese Thematik, zudem der Aufbau einer umfangreichen Bild-Datenbank und die Herausgabe des Jahrbuchs Imago Musicae. Bemerkenswert ist aber auch, dass in der Musikhistoriographie Forschungen rund um den Stellenwert von Bildern – jenseits von Illustrationszwecken – (methodisch) kaum nachhaltige Spuren hinterlassen. Im musikwissenschaftlichen „Mainstream“ scheinen sich Vorbehalte gegenüber der Relevanz von Ikonographien zur Aufschlüsselung musikhistorischer Zusammenhänge hartnäckig zu halten: Bilder wurden und werden als Quellenmaterial weiterhin unterschätzt, Ansätze zu einer methodenkritischen Einbeziehung von Bildmaterial in musikhistorische Untersuchungen bleiben Ausnahmen. Und doch machen sich in jüngerer Zeit verstärkt Initiativen bemerkbar, die dieses Defizit zu beheben suchen – und es erstaunt kaum, dass es sich hierbei um kulturwissenschaftlich geschulte Ansätze handelt, die somit keine inter- oder gar transdisziplinären Berührungsängste haben. Weiterlesen...

Halle, 17. bis 19. September 2019

„Deborah“, Händels Oratorium von einer starken Frau im Alten Testament

von Jörg Holzmann, Leipzig/Halle

Bereits zum siebenten Mal veranstaltete die Stiftung Händel-Haus in Halle (Saale) für fortgeschrittene Studierende der Musikwissenschaft und verwandter Disziplinen einen Studienkurs. Der Fokus lag dieses Mal, gemäß dem Motto der Händel-Festspiele 2019 „Empfindsam, heroisch, erhaben – Händels Frauen“, auf der Gestalt der Deborah und Händels gleichnamigem Oratorium. Im Renaissance-Raum des Händel-Hauses begrüßten Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, Professor für Historische Musikwissenschaft am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Jun.-Prof. Dr. Matthew Gardner von der Eberhard Karls Universität in Tübingen und Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendant der Händel-Festspiele Halle, gemeinsam mit der Leiterin der Abteilung „Bibliothek, Archiv, Forschung“ Dr. Konstanze Musketa die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach einem ersten Überblick über das vielseitige Programm der nächsten Tage stellte Dr. Annette Landgraf die Hallische Händel-Ausgabe, ihre Geschichte sowie frühere Händel-Ausgaben vor. Diese reichten von Cluer und Randall über Arnold und Rovedino bis hin zu Chrysander und den ersten Bänden der heutigen HHA und konnten je in einem originalen Exemplar vor Ort besichtigt werden. So eingestimmt begab sich die Gruppe in die Räume der Redaktion der HHA und erhielt dort von Mitarbeitern derselben einen Einblick in die täglichen Routinen und den Umgang mit verschiedensten Quellenarten.

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