Tagungsberichte

In dieser Rubrik finden Sie Berichte über vergangene Tagungen & Kongresse folgender Jahrgänge:

 

 

Die fünf neuesten Berichte:

 

 

Kranichstein, 30. November bis 2. Dezember 2018

Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667-1739) – Sänger, Tänzer, Komponist. Regentschaft und künstlerische Ambition im 18. Jahrhundert

von Silvia Uhlemann, Mainz

Die Grundlagenforschung der Kulturwissenschaften besteht im Studium historischer Originalquellen in Archiven und Bibliotheken. In diesem Sinne war die Tagung zur aktiven künstlerischen, insbesondere musikalischen Betätigung von Landesfürsten und des Hofadels insgesamt im Zeitalter des Barock eine eindrucksvolle Präsentation lebendiger und ertragreicher Forschung. Dass diese gerade in der Musikwissenschaft, deren zentraler Forschungsgegenstand die ohne Erklingen nie vollständig aussagekräftige Notenschrift ist, noch zwingender als in anderen Disziplinen Bereicherung erfährt, ja erfahren muss durch interdisziplinäre Blicke beispielsweise in die Sozial- oder Kunstgeschichte, konnte man in dem differenziert zusammengesetzten Referentenkreis aus Musikwissenschaftlern, Historikern, Archivaren und ausübenden Künstlern intensiv erleben.

Durchgeführt wurde die internationale Tagung als Kooperation der Abteilung Musikwissenschaft (IKM) der Johannes Gutenberg-Universität und der Musikhochschule Mainz in Verbindung mit der Christoph-Graupner-Gesellschaft Darmstadt und der Stiftung Jagdschloss Kranichstein. In drei thematischen Blöcken näherten sich die Vortragenden Landgraf Ernst Ludwigs aktiver musikalischer und tänzerischer Betätigung, bezeugt durch zwei zentrale handschriftliche Quellen in der historischen Musiksammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, aus verschiedenen kulturhistorischen Blickwinkeln an. Weiterlesen...

Graz, 23. und 24. November 2018

Opera as Institution: Networks and Professions (1700-1914)

von Sara Kebe (Graz)

Die internationale Konferenz, die vom Institut für Musikwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Musik- und Tanzwissenschaft der Universität Salzburg veranstaltet wurde, befasste sich sowohl mit dem Geschehen auf den Opernbühnen Europas als auch hinter den Kulissen im 18. und langen 19. Jahrhundert. Um neueste Ergebnisse aus der Forschung zu präsentieren und diskutieren, trafen sich Vortragende aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden und Tschechien.

Eröffnet wurde die Konferenz durch den Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung der Karl-Franzens-Universität Graz, Peter Scherrer. Danach standen die italienische und französische Oper des 18. und 19. Jahrhunderts auf dem Programm. Den Eröffnungsvortrag hielt Suzanne Aspden (Oxford), die über Kosmopolitismus in London im 18. Jahrhundert referierte. Aspden beschäftigte sich vorwiegend mit der Frage, ob und inwiefern die eher abweisende Einstellung der Briten gegenüber der italienischen Oper die ganze britische Operninstitution prägte. Judit Zsovár (Wien) ging in ihrem Vortrag „Farinella at the Vienesse Kärtnertortheater, 1730-1732“ ausführlich auf die Karriere der Sängerin Maria Camati ein, die den Künstlernamen „Farinella“ trug. Aufgrund der gesungenen Rollen, die äußerst unterschiedlich waren, und ihres virtuosen Koloraturgesangs gehörte Farinella zu den gefragten Sängerinnen ihrer Zeit. Daniel Brandenburg (Salzburg) erläuterte, wie Netzwerke und die Kommunikation zwischen den „Operisti“, den Sängerinnen und Sängern der italienischen Oper, im 18. Jahrhundert aus deren Sicht funktionierten. Anhand der Korrespondenz zwischen Franz und Marianne Pirker, die als Künstlerehepaar europaweit tätig waren, wurden wesentliche Komponenten beleuchtet, die für eine erfolgreiche Opernproduktion wichtig waren. Weiterlesen...

Barcelona, 14. bis 17. November 2018

Cererols: Noves perspectives

von Isolde Deleyto Rösner, Salzburg

Anlässlich des 400. Geburtstages des katalanischen Barock-Komponisten Joan Cererols (1618-1680) veranstaltete die Societat Catalana de Musicologia einen dreitägigen Kongress. Nicht nur die Werke des Komponisten selbst waren Thema, sondern auch die Instrumentation und Aufführungspraxis im Katalonien seiner Zeit, der bisherige musikwissenschaftliche Forschungsstand, das soziale und gesellschaftliche Umfeld Cererols und einiges mehr. Nach einleitenden Grußworten durch den Koordinator des Kongresses und Dozenten an der Universitat Autònoma de Barcelona, Jordi Rifé i Santaló, und von Emili Ros-Fàbregas, Mitarbeiter des CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), eröffnete der Beitrag „Joan Cererols (1618–1680) – 2018: Estat de la qüestió“ von Aura Porta den Kongress. Sie gab darüber Auskunft, inwieweit das Œuvre Cererols bisher erforscht wurde und welchen Stellenwert der katalanische Komponist in der Musikgeschichte seiner Heimat und Europas hat. Dabei präsentierte sie eine Vielzahl an erschienenen Publikationen über das Werk von Cererols und beschrieb potentielle Forschungsvorhaben zu dem Kapellmeister aus Montserrat, die in den nächsten Jahren vor allem von katalanischen Musikwissenschaftlern verwirklicht werden sollten. Weiterlesen...

Dresden, 14. November 2018

Ein Tag für Erwin Schulhoff – vor 100 Jahren in Dresden. „Überdada, Componist und Expressionist“

von Vitus Froesch, Dresden

Vielgestaltig, abwechslungsreich und tiefgründig widmeten sich insgesamt neun Referentinnen und Referenten dem Komponisten und Pianisten Erwin Schulhoff (1894–1942). Veranstaltungsort war die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden, deren Institut für Musikwissenschaft das Symposion ausrichtete. Anlass war die Tatsache, dass der aus Prag stammende Schulhoff vor einem Jahrhundert, von Januar 1919 bis Herbst 1920, in der Elbestadt lebte. Ernüchtert von den Erfahrungen während des Ersten Weltkrieges, hatte Schulhoff hier Anschluss an einen Kreis von Künstlern gefunden, die sich – wie er – einer innovativen, umstürzlerischen Ausrichtung verschrieben hatten. Die äußerst produktiven Dresdner Jahre Schulhoffs, in denen er Konzerte veranstaltete, vielfältig komponierte, zudem Kontakt mit Arnold Schönberg in Wien und George Grosz in Berlin aufnahm, bildeten den Beginn seiner Auseinandersetzung mit verschiedenen Zeitströmungen (Expressionismus, Dadaismus, Jazz, Neue Sachlichkeit und Neoklassizismus). So bestand die Möglichkeit, während der Tagung einen Musiker kennenzulernen, der zu den schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte, während des Nationalsozialismus verfemt war, in einem bayerischen Internierungslager starb und in den 1990er Jahren wiederentdeckt wurde. Weiterlesen...

Bonn und Köln, 8. bis 10. November 2018

Beethoven und Rossini in ihrer Epoche

von Jürgen May, Bonn

Ludwig van Beethoven und Gioachino Rossini, zwei Komponisten, die das Musikleben ihrer Zeit auf jeweils eigene Weise geprägt haben, waren Gegenstand eines dreitägigen Symposiums, das das Beethoven-Haus Bonn und die Hochschule für Musik und Theater Köln anlässlich des 150. Todesjahres Rossinis in Bonn und Köln veranstalteten. Eine nationalistisch geprägte deutsche Musik-Historiographie – dies wurde in den einführenden Worten der jeweiligen wissenschaftlichen Leiter*innen der beiden Institutionen, Christine Siegert und Arnold Jacobshagen, deutlich –brachte Rossini und Beethoven gegeneinander in Stellung und stilisierte dabei das vermeintlich Charakteristische ihrer persönlichen Stile zu Kristallisationspunkten nationaler Identität. Dies prägte die Wahrnehmung des Verhältnisses zwischen den beiden Zeitgenossen bis in die jüngere Zeit, abzulesen nicht zuletzt an Carl Dahlhaus’ wirkmächtigem Begriff des „Stildualismus“, auf den im Verlauf der Tagung denn auch immer wieder kritisch rekurriert wurde. Es lag demnach auf der Hand, beide Künstlerpersönlichkeiten und ihre Musik im Kontext ihrer Zeit neu zu beleuchten und dabei verbreitete Klischees und Stereotypen zu hinterfragen. Denn anders als später im 19. Jahrhundert propagiert, wurden Beethoven und Rossini von zeitgenössischen Rezipienten nicht durchgängig als Gegenpole wahrgenommen, sondern vielmehr als zwar unterschiedliche, doch sich ergänzende Ausprägungen der Epoche, was sich noch im „Die Epoche Beethovens und Rossinis“ überschriebenen Kapitel in Raphael Georg Kiesewetters 1834 erschienener Geschichte der europäisch-abendländischen oder unserer heutigen Musik niederschlug. Weiterlesen...

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok