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Fachgruppe Musikethnologie und vergleichende Musikwissenschaft | Links: Karnatische Musik mit Lalitha und Nandini Muthuswamy Mitte oben: Das Tonbandgerät "Nagra IV-S" – ein Klang-Aufnahmegerät, das oft während Feldforschungen eingesetzt wurde Mitte unten: Klangdokumente im Archiv Rechts: Die Musikstudentin Chiu Ju Liao beim Stimmen einer Yueqin

Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Studienkurs am Händel-Haus zum Thema „Händels italienische Kantaten“

Halle (Saale), 23.-25.09.2015

Von Thomas Wozonig, Graz – 19.11.2015 | „Händels italienische Kantaten“ – unter diesem Titel lud die Stiftung Händel-Haus auch 2015 wieder zum Studienkurs in die Stadt an der Saale, um sich mit dem Leben, dem Werk und der Rezeption Georg Friedrich Händels zu beschäftigen. Den MusikwissenschaftlerInnen und ausübenden MusikerInnen, die in diesem Jahr aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammten, wurde ein gewohnt umfangreiches und hochwertiges Programm präsentiert, das – freilich im Gegenzug für Lern- und Mitarbeitsbereitschaft – tiefe und in dieser Form sonst nirgends erfahrbare Einblicke in die Person und das Schaffen Händels, die Arbeit der Händel-Gesellschaft, die Institution des Händel-Hauses sowie die Stadt Halle als Ganzes boten.

Mit einer Begrüßungsrunde im sogenannten Renaissance-Raum des Händel-Hauses, dem Hauptarbeitsplatz der Gruppe für die drei anstehenden Tage, wurde der Studienkurs Mittwochvormittag eröffnet. Neben dem Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendanten der Händel-Festspiele, Clemens Birnbaum, hießen auch Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, der den Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg innehat, sowie Dr. Konstanze Musketa, Leiterin der Bibliothek, des Archivs und der Forschungsabteilung des Händelhauses und nicht zuletzt Hauptbetreuerin des Studienkurses, die Angereisten willkommen. Abgeschlossen wurde die Eröffnung durch einige Ausblicke von Prof. Dr. Andrew V. Jones, der am späteren Nachmittag sowie am Freitag als Hauptvortragender zwei Seminare zur Editionspraxis mit den Studierenden abhielt.

Vorher stand jedoch erst einmal die gastgebende Institution im Mittelpunkt. Dr. Annette Landgraf stellte hierfür eines der wesentlichen Projekte der Händel-Gesellschaft vor, nämlich die Hallische Händel-Ausgabe. Der seit Jahrzehnten laufende Erstellungsprozess dieser Gesamtausgabe, welche nach ihrer Vollendung die altgediente und bis heute einzige vollständige Ausgabe der Werke Händels – die 1894 abgeschlossene Ausgabe von Friedrich Chrysander – ersetzen soll, erlaubte es Frau Dr. Landgraf, aus einem Fundus an Erfahrungen zu berichten, wie sie sich wohl bei kaum einem zweiten derartigen Projekt anhäufen. Nach einer Mittagspause folgte dann ein Rundgang durch das Verwaltungsgebäude, wo die Studierenden zuerst dem Instrumenten-Restaurator in seiner Werkstatt und danach den Editions-MitarbeiterInnen der Hallischen Händel-Ausgabe bei ihrer Arbeit direkt über die Schulter sehen konnten. Geduldig und engagiert nahmen sie sich Zeit, um ihre jeweiligen aktuellen Arbeiten vorzuführen und zu erläutern, und um Fragen der Studierenden zu beantworten.

Doch die MitarbeiterInnen vor allem des großen Editionsprojekts zu beobachten und sich von all den großen und kleinen Problemen des Edierens erzählen zu lassen, ist nur eine Perspektive; dafür, dass die Studierenden diese keineswegs einfachen Aufgaben und Arbeitsschritte auch selbst erleben konnten, sorgte dann Dr. Andrew V. Jones im ersten seiner zwei Seminare zur Editionspraxis. Der Umgang mit Autographen und Kopien, von der Entstehung, dem späteren Auffinden, Bewerten und Vergleichen bis hin zum Transkribieren dieser Quellen, wurde mit den sichtlich gefesselten, aber auch geforderten Studierenden am Beispiel der Italienischen Kantaten eingehend behandelt; zahlreiche Exkurse zu notwendigen Seitenbereichen wie etwa der Papierherstellung und der Wasserzeichenkunde, der italienischen Verslehre oder der Arbeit eines Kopisten trugen ihr Übriges zum fundierten und umfangreichen Inhalt des Seminars bei.

Um Musik und den Umgang mit ihren Quellen aber richtig und umfassend zu verstehen, genügt reine Materialkunde freilich nicht. Daher nahm sich Dr. Berthold Over (Mainz) der Aufgabe an, den Studierenden den musikhistorischen und sozialgeschichtlichen Rahmen der Italienischen Kantaten zu vermitteln. Nachdem bereits der Mittwoch mit einem öffentlichen Vortrag Overs unter dem Titel „Pastoral – heroisch – allegorisch. Händels Kantaten und ihre soziale Kontextualisierung“ ausgeklungen war, wurde das im Vortrag angedeutete und von den Studierenden anhand von Texten bereits vorab studierte Thema Donnerstagvormittag zusätzlich vertieft.

Um die Kantaten schließlich auch aus einer praktischen Perspektive erfahrbar zu machen, wurde Prof. Fabio Bonizzoni (Mailand) für ein Seminar zur Aufführungspraxis eingeladen. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Pianist und Ensembleleiter heraus konnte er in seinen Ausführungen einige interessante Denkanstöße zu Händels Werken liefern, welche jedoch in Verbindung mit lebhaften Diskussionen die angesetzten zweieinhalb Stunden beinahe zur Gänze ausfüllten, wodurch der tatsächliche praktische Teil doch zu kurz ausfiel – vielleicht der einzige Wermutstropfen im gesamten Programm.

Eine Führung von Dr. Musketa durch die groß angelegte Dauerausstellung „Händel, der Europäer“, die im direkt angrenzenden Händel-Museum untergebracht ist, sorgte für eine zwischenzeitliche sportliche Auflockerung, ehe es danach im Renaissance-Raum wieder mit einem Vortrag von Dr. Ulrich Etscheit vom Bärenreiter-Verlag über „Die Hallische Händel-Ausgabe als Gesamtausgabenprojekt des Bärenreiter-Verlages“ weiterging. Kompetent stellte sich Dr. Etscheit nach einführenden Worten den Diskussionen und Fragen der Studierenden, die vor allem rund um Themen wie „Online-Verfügbarkeit“, „elektronische Ausgaben“ oder „I-Pad-Partituren“ auf ihn einprasselten.

Eine Führung durch die Ausstellung historischer Musikinstrumente, ebenfalls Teil des Händel-Hauses, rundete schließlich den zweiten Tag ab. Wieder bedauerten die Studierenden, dass für diesen Programmpunkt zu wenig Zeit zur Verfügung stand – doch daran hatten weder die Projektorganisation noch Kustodin Christiane Barth, welche die Führung leitete, Schuld, vielmehr zeigte sich, dass die Sammlungen mit ihren zwei Stockwerken, den zahlreichen Instrumenten aus mehreren Jahrhunderten und den vielen interaktiven Installationen wohl auch an einem halben Tag kaum ausführlich durchgangen werden kann.

Der dritte und letzte Tag des Studienkurses wurde mit der Fortsetzung des Seminars zur Editionspraxis von Dr. Andrew Jones eröffnet, in welchem die Transkriptionsarbeiten vom Mittwoch fortgesetzt und vertieft wurden. Nach der Mittagspause führte Dr. Musketa die KursteilnehmerInnen dann zum Wilhelm-Friedemann-Bach-Haus, wobei sie die nur wenigen Gehminuten zu einer wunderbaren, kleinen Stadtführung erweiterte, durch welche Halle den Studierenden als Geburtsort Händels noch bewusster und greifbarer wurde.

Nachdem sich die KursteilnehmerInnen ein letztes Mal im Renaissance-Raum eingefunden hatten, wurde der Studienkurs mit einer abschließenden Runde für mögliche Wünsche, Anregungen und Beschwerden beendet. Dass diese Auswertung weniger Zeit in Anspruch nahm als vorgesehen, lag vor allem daran, dass den Studierenden in den drei Tagen nur wenig Anlass für Beschwerden gegeben worden war. Die Verantwortlichen vor Ort waren freundlich und engagiert, die Vortragenden und die Programminhalte stimmig ausgewählt, der Zeitplan passend aufgestellt, die kleinen Pausen mit Kaffee und Keksen bestens ausgefüllt, und rund um all das sorgte die Stadt Halle für eine Kulisse, die Georg Friedrich Händel, seiner Musik und allen rund um ihn errichteten Institutionen mehr als würdig ist.