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Kommission für Auslandsstudien | Foto: Sabine Meine

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Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Musikerinnen in der Region – Handlungsräume und ihre Akteurinnen in der Steiermark

Graz, 28.-29.10.2019

Von Christa Brüstle und Matthias Mikula, Graz – 01.04.2020 | Die international besetzte Konferenz wurde vom Zentrum für Genderforschung der Kunstuniversität Graz organisiert und vom Land Steiermark und von der Mariann Steegmann Stiftung gefördert. Sie widmete sich Fragestellungen der regionalen Identität und der kulturellen Handlungsspielräume von Musikerinnen und Musiklehrenden in Graz und in der Steiermark, aber auch in der Schweiz, in Kroatien und East Anglia. Ziel war es, Diskurse der regionalen Identität, die Geschichte von privaten und öffentlichen Handlungsspielräumen für Frauen im Musikbereich sowie die Bedeutung und das Wirken einzelner Musikerinnen und Musiklehrenden darzustellen und zu diskutieren.

Der Wirtschafts-, Stadt- und Sozialgeograph Hans H. Blotevogel (Wien) eröffnete das Symposium mit einem Grundsatzbeitrag aus der Regionalforschung. Er diskutierte die Renaissance der Region in der Ära der Globalisierung. Dabei stellte er die Thematik der Entgrenzung von Märkten, der globalen Migration und der zahlreichen interkulturellen Verflechtungen der Wiederentdeckung von regionalen Handlungsspielräumen gegenüber. Er konnte in bester Weise die Vieldeutigkeit der Begriffe Region, kulturelle und regionale Identität präzisieren und semantische Zusammenhänge einführend darstellen.

Die Grazer Historikerinnen Karin M. Schmidlechner und Ute Sonnleitner schlossen mit ihrem Überblick zur Frage der Situation der Frauen im öffentlichen Musikleben der Steiermark in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts an. Dabei wurden Exponentinnen des steirischen Musikschaffens exemplarisch vorgestellt und gleichzeitig die Umstände der Ursachen der Nichtbeachtung in der Geschichtsschreibung beleuchtet.

Die Musikhistorikerin Vjera Katalanić (Zagreb) beschäftigte sich in ihrem Beitrag mit der Frage nach dem interkulturellen Austausch und den künstlerischen Netzwerken zwischen Zagreb und Graz im 19. Jahrhundert. Den Fokus richtete sie in ihrem Forschungsbericht auf die Berufsausbildung von kroatischen Sängerinnen in Graz. Da es bis ins frühe 20. Jahrhundert keine höhere musikalische Bildungsinstitution in Zagreb gab, waren viele kroatische Sängerinnen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um ihre Ausbildung im Ausland fortzusetzen.

Im Referat der Musikwissenschaftlerin Jennifer Ronyak (Graz) wurden regionale Wertvorstellungen innerhalb der musikalischen Praktiken lokaler Chorgesangsvereine in Österreich beleuchtet. Die englische Musikforscherin Lisa Colton (Huddersfield) wechselte in ihrem Vortrag den historischen und regionalen Bezugsrahmen. Sie befasste sich mit musikalischen Praktiken des Mittelalters in East Anglia zwischen 1300 und 1500. Da East Anglia in dieser Epoche als soziokultureller Schmelzpunkt betrachtet werden kann, stand insbesondere der kulturelle Wandel, der sich in dieser Region vollzogen hat, im Mittelpunkt der Betrachtungen.

In den nächsten beiden Darstellungen von Nachwuchsforscherinnen wurden exemplarisch das Leben und Wirken von zwei Musikerinnen beleuchtet. Ulrike Fischer (Graz) bot eine ausführliche Darstellung über das Leben und Wirken der Grazer Pianistin, Komponistin und Salonière Marie Pachler-Koschak. Sarah Nabjinsky (Graz) stellte in ihrem Beitrag die Violinvirtuosin Gabriele Wietrowetz vor, die in Graz ausgebildet wurde, dann von Berlin aus als konzertierende Solistin in ganz Europa auftrat und als Lehrbeauftragte an der Königlichen Akademischen Hochschule in Berlin tätig war. Daneben übernahm sie die Versorgung und Pflege ihrer kranken Eltern.

Die Fallbeispiele wurden ergänzt durch weitere musikhistorische Beiträge von Christa Brüstle (Graz), die erstmals das Leben und künstlerisch-musikpädagogische Wirken der Grazer Pianistin Auguste Streif-Bolzano darstellte. Die bislang ebenfalls kaum bekannte Grazer Sängerin Anna Hansa präsentierte Karin Fachberger (Linz). Die Sängerin war Muse und Partnerin des Komponisten Joseph Marx, dem sie durch die Interpretation seiner Lieder zum Durchbruch verhalf. Bernhard Hubmann (Graz) berichtete über den turbulenten Lebensweg der Salonière Josephine Peters, die ein großes Netzwerk pflegte, zu dem auch Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Joseph Czerný gehörten. Klaus Hubmann (Graz) gewährte einen Einblick in seine Forschungen über den Nachlass der Grazer Salonière und Sängerin Sophie Schreiner. Der Schwerpunkt seiner Untersuchungen bezieht sich auf die Analyse des großen Musikalienbestandes, der in Sophie Schreiners Nachlass vorhanden ist. Gudrun Rottensteiner (Graz) ging in ihrem Vortrag auf die Pionier- und Ausnahmestellung der Grazer Singschauspielerin Aloysia Hysel (1780-1835) ein. Michaela Krucsay (Graz) gab Einblicke in ihre derzeitige Beschäftigung mit der Geigerin und Violinpädagogin Hedi Gigler-Dongas (1925-2017), Tochter der Komponistin Grete von Zieritz. Graz blieb für die Musikerin ein lebenslanger familiärer und künstlerischer Ankerpunkt. Zuletzt befasste sich Tatjana Marković (Wien) mit dem Beispiel der jungen Grazer Künstlerin Eva Jantschitsch alias Gustav, für die sozio-politische und künstlerische Bedingungen der Region ebenfalls wichtige Ausgangspunkte waren.

In kontextualisierenden musikhistorischen Vorträgen beschrieben Ingeborg Harer (Graz), Claudia Schweitzer (Paris/Bremen) und Volker Timmermann (Bremen) unterschiedliche Regionen und ihre Handlungsräume für Musikerinnen und Musiklehrende. Dabei wurde der kulturelle und musikbezogene Austausch zwischen Graz und Wien in der Biedermeierzeit ebenso erörtert wie die Auswirkung der Konfession auf die Musikausübung von Frauen in Schweizer Regionen des 18. Jahrhunderts. Zudem gab es einen Einblick in die nicht-österreichische musikjournalistische Berichterstattung über Graz und die Steiermark, verbunden mit einem Bericht über die außerordentliche Cellistin Anna Kull (1841-1923).

Die Tagung wurde von einem Round Table mit Volker Timmermann, Silke Wenzel, Harald Haslmayr und Christa Brüstle beschlossen. Im Zentrum der Diskussionsrunde standen Fragen und Problempunkte der lexikalischen Erfassung und Darstellung von regional bedeutsamen Musikerinnen und Musiklehrenden. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein Konzert mit Klavierkompositionen und Liedern, die mit dem Tagungsthema in Verbindung standen. Es musizierten die Sopranistin Barbara Fink und auf einem Hammerklavier die Pianistin Konstanze Hubmann.