von Bernhard Rainer und Klaus Aringer
Anlässlich des 400-jährigen Jubiläums des Baubeginns von Schloss Eggenberg in Graz veranstaltete die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) vom 16. bis 18. Oktober 2025 in Zusammenarbeit mit dem Universalmuseum Joanneum Graz und ergänzend zur Steiermark-Schau 2025 „Ambition & Illusion“ ein interdisziplinäres, internationales Symposium in Schloss Eggenberg. Die von Klaus Aringer und Bernhard Rainer organisierte Tagung war der erste Versuch, sich mit der Musik- und Theaterkultur in Eggenberg im 17. und frühen 18. Jahrhundert in ihrer Gesamtheit zu befassen.
Den Auftakt der Veranstaltung bildete am Vorabend ein Referat von Barbara Kaiser (Graz). Darin beleuchtete sie die Geschichte, die Ambitionen und die Illusionen eines „ungewöhnlichen Fürstenhauses“. Im barocken Planetensaal des Schlosses folgte daraufhin ein Konzert mit dem Titel „Für Körper und Geist – Musik um Johann Seyfrieds Hof in Schloss Eggenberg“. Dabei wurden Instrumental- und Vokalkompositionen von mit den Eggenbergern in Verbindung stehenden Komponisten durch Studierende und Lehrende des Instituts für Alte Musik und Aufführungspraxis der KUG dargeboten.
Nach der Eröffnung durch die beiden Organisatoren stellte Nastasia Heckendorf (Wien) am ersten Tag des Symposiums die römische Gesandtschaft des Fürsten Johann Anton von Eggenberg in Bezug auf Musik und Diplomatie dar. Anschließend thematisierte Moritz Kelber (Augsburg) das musikalische Umfeld der Augsburger Eggenberger. Während Václav Kapsa (Prag) die Eggenberger Musik in Krumau durch das Prisma der lokalen Musikinventare des frühen 18. Jahrhunderts beleuchtete, warf Thomas Hochradner (Salzburg) mit der Frage „Parallelität oder Eigenbrötlerei?” einen vergleichenden Blick auf die Eggenberger und das Musikleben der Salzburger Residenz. Vor der Mittagspause berichtete Gudrun Rottensteiner (Graz) über die Tanzkultur unter Hans Ulrich von Eggenberg, während die Nachmittagssektion Franz Körndle (Augsburg) mit einer gründlichen Analyse der dem Fürsten Eggenberg gewidmeten Missa „Susanna“ von Giovanni Valentini eröffnete. Unter dem Titel „Ave Claudia Imperatrix“ referierte Klaus Hubmann (Graz) über die hochmusikalische Kaiserin Claudia Felizitas. Michael Hell (Graz) berichtete über die Geschichte und Ergänzungen im Rahmen einer Neuaufführung der Grazer Hochzeitsoper für Leopold I., Gl’Incantesimi Disciolti, von Antonio Draghi und Klaus Petermayr (Linz) widmete sich Neuigkeiten aus der Biografie von Hartmann Paintinger, die das musikalische Netzwerk in Graz und die Kapelle der Eggenberger im späten 17. Jahrhundert sichtbar werden ließen. Die Abschluss-Sektion eines intensiven Symposiumstages bildeten die Beiträge von Juliane Oberegger (Graz) zu den Kontexten der Musik am Eggenberger Hof in einem Lehrwerk von Johann Jakob Prinner, von Jana Spacilova mit einem Plädoyer für die Musik des in Graz und Olmütz tätigen Komponisten Philipp Jacob Rittler sowie von Walter Kurt Kreyzig (Victoria, British Columbia) mit einer Betrachtung der Paratexte der dem Fürsten Eggenberg gewidmeten Cantiones sacrae (op. 4) von Heinrich Schütz.
Der zweite Tag des Symposiums stand ganz im Zeichen der (Musik)Theaterkultur der Eggenberger. Tiffany Stern (Birmingham) referierte über englische Theatertruppen, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Graz auftraten, und Alan Coates (Mainz) unternahm einen interessanten Rekonstruktionsversuch der Eggenberger Theaterräume. Christian Neuhuber (Graz) ging von biografischen Details des „Eggenbergischen Comoedianten und Musikers“ Johann Franz Manduk aus, um spannende Aspekte der Eggenberger als Kunstmäzene aufzuzeigen. Das Wirken Romolo Pignattas in Graz würdigte Adriana de Feo (Wien) mit einem Vortag unter dem Titel „Consacrato al merito immortale del Sig. Prencipe Gio. Sigifrido d’Eggemberg“. Passenderweise sprach abschließend Stefanie Stindl-Liang (Graz) über das letzte Bühnenwerk für die Eggenberger: „La Fede tradita e vendicata“ (anonym).
Obwohl das einstige Musik- und Theaterleben am Hof der Grazer Eggenberger heute aufgrund umfangreicher Quellenverluste nur noch in Umrissen erkennbar ist, zeigten die Beiträge viele Ansatzpunkte, um den persönlichen Bezug der Fürsten zu Musik und Theater, ihre musikalische Bildung und die ihnen gewidmeten Werke sowie die Musik- und Theaterpflege am Hof betrachten zu können. Das Symposium thematisierte die für die Kulturgeschichte der Steiermark zentrale Materie erstmals in ihrer Gesamtheit und unternahm eine Neubewertung ihrer regionalen wie europäischen Bedeutung, deren Ergebnisse in einem Tagungsband veröffentlicht werden sollen.
