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Fachgruppe Musikethnologie und vergleichende Musikwissenschaft | Links: Karnatische Musik mit Lalitha und Nandini Muthuswamy Mitte oben: Das Tonbandgerät "Nagra IV-S" – ein Klang-Aufnahmegerät, das oft während Feldforschungen eingesetzt wurde Mitte unten: Klangdokumente im Archiv Rechts: Die Musikstudentin Chiu Ju Liao beim Stimmen einer Yueqin

Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Digitale Musikedition

Bern, 02.-04.06.2014

Von Moritz Achermann, Bern – 11.07.2014 | Wie gestaltet sich die Musikedition im digitalen Zeitalter? Was sind die Mittel, mit denen heute in der Musikedition operiert wird? Und nicht zuletzt, was macht eine digitale Edition aus und was kann sie leisten? Um diese Fragen kreiste die von Benedict Zemp und Andres Pfister organisierte Tagung „Digitale Musikedition“, die im Juni an der Universität Bern stattfand. Cristina Urchueguía (Bern) stellte im Eröffnungsvortrag unter dem Motto „tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ die Entwicklung der Philologie und ihrer Paradigmen dem rasanten technischen Fortschritt gegenüber. So vereine der Forscher heute bei der Arbeit am Computer den Philologen und den Notenstecher in einer Person. Die zunehmende Digitalisierung sowie die enorme Speicherkapazität moderner Rechner könnten Versprechen der New Philology einlösen, die sich von den Idealtypen „Urtext“ und „Fassung letzter Hand“ zu lösen versucht. Zu bedenken seien jedoch auch das Risiko des Datenverlustes und die hohen Kosten, die eine digitale Edition mit sich bringt, da sie ständiger Wartung bedarf und nicht wie eine Buch-Edition mit dem Datum der Publikation abgeschlossen ist. Somit stellt sich auch die Frage nach der kulturellen Relevanz von Musikedition. Zumal digitale Editionen in der open access-Kultur auch Konzepte der Autorschaft und des Besitzes in Bedrängnis bringen, was wiederum analog zur New Philology und ihrem offenen Autor- und Text-Begriff verstanden werden kann. Damit einhergehend muss auch die Stellung der Verlage diskutiert werden. Sollte eine Edition, die mit staatlichen Geldern finanziert wird, auch im open access-Sinne öffentliches Eigentum sein?

Thomas Arend und Michael Matter (Basel) stellten ihren Ausführungen über die Anton Webern-Gesamtausgabe einige Überlegungen zu den Charakteristika einer digitalen Edition voran. Da heute jedes Editionsprojekt mit digitalen Mitteln operiert, stellt sich die Frage, was denn eine digitale Edition auszeichnet. Die vom Mozarteum Salzburg ins Netz gestellte Neue Mozart-Ausgabe weist keine Unterschiede zur gedruckten Publikation auf und müsste daher eher als „digitalisierte Edition“ bezeichnet werden. Eine „digitale Edition“ hingegen orientiert sich in ihrer Präsentation an den digitalen Möglichkeiten. Bei der Anton Webern-Gesamtausgabe, einer historisch-kritischen Ausgabe, die seit 2006 vom SNF gefördert wird, handelt es sich um eine hybride Form. Zum einen wird eine Werk-Edition in gedruckten Bänden erscheinen, wobei natürlich editorische Entscheidungen getroffen werden müssen, wenn auch ausführlich kommentiert. Zum anderen werden sämtliche Materialien der Text- und Quellenedition in einer Datenbank erfasst. Die Plattform „Salsah“ erlaubt es, Einzel-Digitalisate und Konvolute einzusehen und zu annotieren. Für die editorische Arbeit kommt hinzu, dass sämtliche Korrekturschichten und Versionen erhalten bleiben. Nach Abschluss des Projekts soll die Datenbank dann für weitere Forschung zugänglich sein. In seiner digitalen Form sind dem kritischen Bericht keine Grenzen gesetzt. So können etwa auch die Richtung der Notenhälse verzeichnet werden, da dies für zukünftige Forschung von Interesse sein könnte. Marcel Stolz (Bern) präsentierte im Anschluss die Notentexterkennungssoftware „PhotoScore“, die es erlaubt Noten einzuscannen und am Computer weiter zu bearbeiten. Das Programm verspricht ein schnelleres Arbeiten, stößt aber bei Handschriften und Digitalisaten mit mangelhafter Scan-Qualität rasch an Grenzen.

Der zweite Tag widmete sich den Werkzeugen digitalen Edierens. Immanuel Brockhaus (Bern) bot einen Überblick zu den verschiedenen Notationsprogrammen. Aus der Perspektive eines praktizierenden Musikers und Arrangeurs priorisierte er die weit verbreiteten kommerziellen Programme „Sibelius“ und „Finale“. Urs Liska (Freiburg i. Br.) sprach über die open-source-Software „LilyPond“. Die GNU-Software ist als Notensatzprogramm ein Äquivalent zu LaTex und basiert auf Texteingabe. So kann der Benutzer selbst alle Parameter festsetzen. Da das Programm den ganzen Inhalt simultan liest und in einen Notensatz überträgt, ist das Resultat der Ersteingabe am nächsten  bei einem professionellen Notendruck. Ferner können Anregungen zur Weiterentwicklung des Programms gemacht werden. Zudem lassen sich im Quellcode Änderungen deutlich sichtbar machen. Hierzu sprach Urs Liska auch über Techniken der Versionenkontrolle. Bei gemeinsamen Arbeiten an Editionsprojekten können in Reintextdateien, die kaum Speicherplatz beanspruchen, alle Schritte und Änderungen in einzelnen Versionen gespeichert und eingesehen werden. So lässt sich rasch feststellen, welcher Nutzer Änderungen vorgenommen, oder allenfalls Fehler gemacht hat.

Die Trennung von Daten und den Werkzeugen, mit denen die Daten behandelt werden, ist ein Kernanliegen der „Music Enconding Initiative“. Laurent Pugin (Bern) stellte dieses open-source-Projekt vor, das als Gemeinschaftsarbeit verschiedener Universitäten entwickelt wird. In seiner modularen Struktur soll es die Möglichkeit bieten mit verschiedenen Tools vergleichbare und übermittelbare Datensätze zu generieren, die nicht an gewisse Programme gebunden sind.

Auf dem Codierungsstandard MEI basieren die Werkzeuge des Edirom-Projekts, die Daniel Röwenstrunk (Detmold) präsentierte. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeiten der Annotation. Durch das Markieren von Einheiten, wie etwa Takten, werden die digitalen Objekte referenzierbar. Annotierte Objekte können so nebeneinander gestellt und überblendet werden. Will eine digitale Edition Abweichungen in Takten verschiedener Handschriften aufzeigen, so kann dies mit den Edirom-Werkzeugen gut dargestellt werden. Grundlage hierfür ist die Verfügbarkeit der Quellen in Form von Faksimiles. Ein Problem dieser open-source-Projekte besteht jedoch in ihrer Projektgebundenheit. Werkzeuge werden meist für einzelne Editionen programmiert und nach Abschluss der Arbeit nicht mehr weiterentwickelt. Da diese Werkzeuge für den universitären Gebrauch konzipiert sind, erreichen sie kaum je einen kommerziell verwertbaren Stand und sind für andere Forscher nur schwer lesbar. Hier müsste die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten ausgebaut werden.

Im dritten Teil der Tagung wurden drei Editionsprojekte vorgestellt, die sich den Mitteln der digitalen Edition bedienen. Christine Siegert (Berlin) präsentierte ein Editionsprojekt der UdK Berlin zu zwei Opern Giuseppe Sartis. Die digitale Edition versucht sich dem wandelbaren Wesen der Oper im 18. Jahrhundert durch eine modulare Struktur anzunähern. In den verschiedenen Überlieferungen gibt es unzählige Abweichungen und Einlage-Arien verschiedener Autoren. Diese einzelnen Nummern werden mittels MEI codiert und mit den digitalisierten Faksimiles verlinkt. Daraus entsteht ein Pool aus Nummern und Arien, die der Benutzer selbst zu Fassungen zusammensetzen kann. Diese Darstellung der Arien als Netzstruktur würde es auch erlauben, die Sarti-Edition mit zukünftigen Opern-Editionen zu verbinden, wenn es Überschneidungen von Einlage-Arien gibt.

Das Projekt „Freischütz Digital“, das parallel zur Carl Maria von Weber-Gesamtausgabe entsteht, will die historisch-kritische Druckausgabe um eine genuin digitale Edition des Freischütz erweitern. Daniel Röwenstrunk berief sich dabei auf Frans Wierings Konzept des „multidimensional model“. Die Edition soll möglichst viele Perspektiven auf das Werk eröffnen und dem Benutzer ein Archiv zur Verfügung stellen, dass er selbst erkunden kann. Bestandteile sind etwa die Verknüpfung von Partitur und Stimmen mit Audioaufnahmen oder die graphische Darstellung von Varianzen in verschiedenen Fassungen.

Abschließend stellte Stefan Morent (Tübingen) zwei Editionsprojekte vor, die sich mit der Musik des Mittelalters beschäftigen. Für eine Edition der Hildegard von Bingen zugeschriebenen Kompositionen musste ein eigenes Werkzeug entwickelt werden, da MEI noch keine Neumencodierung kannte. Den Faksimiles wurden Übertragungen in Quadrat- und moderner Notation gegenübergestellt. Die Darstellung erfolgt über einen online-MEI-viewer, wo der Benutzer selbst die Darstellung einstellen kann, wobei Varianten überblendet werden. Das Projekt „e-sequence“ beschäftigte sich im Rahmen eines Digitalisierungs-Projekts der Stiftsbibliothek St. Gallen mit den Handschriften Notkers von St. Gallen. Die Faksimiles wurden hier mit Audio-Aufnahmen verlinkt.   

Die Möglichkeiten der digitalen Edition sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft, zumal ihre gesellschaftliche Relevanz noch ausführlicher ergründet werden muss.