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Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Oper und Militärmusik im „langen“ 19. Jahrhundert – Sujets, Beziehungen, Einflüsse

Landau in der Pfalz, 01.-02.12.2016

Von Lara Rosa Fischer, Mainz – 08.02.2017 | Um die Frage des Beziehungsgeflechts von Militärmusik und Oper ging es bei der Tagung „Oper und Militärmusik im „langen“ 19. Jahrhundert – Sujets, Beziehungen, Einflüsse“, die am 1. und 2. Dezember 2016 in Landau in der Pfalz vom Institut für Musikwissenschaft und Musik der Universität Koblenz-Landau (Campus Landau) in Kooperation mit dem Zentrum Militärmusik der Bundeswehr und dem Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (Abteilung Musikwissenschaft) der Universität Mainz veranstaltet wurde.

Nach der Begrüßung durch Lothar Bluhm, den Dekan des Fachbereichs Kultur- und Sozialwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, gab Achim Hofer (Landau) in seinem Einführungsvortrag einen Überblick über die verschiedenen Formen der Verflechtung zwischen den beiden Gattungen, die beispielweise in den sogenannten „Opernmärschen“ sowie in den zahlreichen Bearbeitungen von Opern-Passagen für Militärmusik, aber auch in verschiedenen Ausprägungen der inszenierten Militärmusik wie der Banda sul palco ihren Niederschlag finden. So lassen sich sowohl Anleihen militärmusikalischer Gattungen in der Oper als auch starke Einflüsse der Oper besonders in Bezug auf das Repertoire der Militärkapellen feststellen.

In seinem Beitrag „Märsche im Wiener Opernrepertoire um 1800 und ihre dramaturgische Funktion: Das Beispiel Achille von Paer/Gamerra (1801)“ zeigte Klaus Pietschmann (Mainz) an einem konkreten Beispiel die Verknüpfungspunkte militärmusikalischer Gattungen und der Oper sowie die enorme Beliebtheit, derer sich Opernmärsche im Wien der Jahre um 1800 erfreuten, auf. Als Ausgangpunkt hierfür diente Paërs Oper Achille, in der vor allem der „sul palco“ erklingende Trauermarsch der „Patroklus-Szene“ im Zentrum des Interesses stand. Die Opernmärsche fungierten einerseits als wichtiges Element einer Bewegungsdramaturgie, andererseits konnten sie, besonders bei expliziter Bezugnahme auf aktuelle Geschehnisse, auch als an das Militär gerichtete Botschaften gelesen werden.

Manfred Heidler (Bonn) stellte in seinem Beitrag „Oper und deutsche Militärmusik: Anmerkungen zu einer bedeutsamen künstlerischen Wechselwirkung“ die den Militärorchestern im 19. Jahrhundert zukommende Rolle als Vermittler der Musikkultur in der Provinz anhand einzelnen Beispielen zur lokalen Ausprägung und Entwicklung heraus. So waren es insbesondere die Militärmusikdirigenten und Militärkapellen, die die bürgerliche Musikpflege auch in der Provinz ermöglichten. In der nachfolgenden Diskussion wurde vor allem auf die Notwendigkeit einer konsequenten Grundlagenforschung innerhalb des Bereichs der Militärmusik hingewiesen.

Im daran anschließenden Beitrag von Ursula Kramer (Mainz) in Verbindung mit Michael Breitwieser (Mainz) „Von singenden Soldaten und Clarinettisten ohne Fortschritt – Hoftheater und Militärmusik in der Großherzoglichen Residenz Hessen-Darmstadt im 19. Jahrhundert. Personelle und musikalische Verflechtungen“ wurde diesen anklingenden Forderungen nach einer grundsätzlicheren Beschäftigung mit dem Gegenstand der Militärmusik bereits Folge geleistet. Am Beispiel der Residenz- und Garnisonsstadt Darmstadt wurden auf der Grundlage des Quellenbestands des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt die personellen wie inhaltlichen Verbindungen zwischen dem Hoftheater und der ansässigen Militärmusik aufgezeigt, die sich unter anderem in einem ähnlichen Repertoire beider Organe äußerte.

Jürgen Maehder (Puch bei Hallein, Österreich/Lugano, Schweiz) referierte über „Instrumente der Militärmusik auf der Opernbühne des 19. Jahrhunderts: Ikonographische und organologische Fallstudien“ und beleuchtete die mit der Verwendung primär mit der Militärmusik verbundener Instrumente auf der Opernbühne einhergehende Bereicherung der klangfarblichen Palette sowie deren Nutzung zur Ausbildung eines Lokalkolorits. Wie die dargelegten Beispiele zeigten, muss hierbei zwischen solchen Instrumenten unterschieden werden, die aufgrund eines militärischen Bezugsrahmens auf der Opernbühne Verwendung fanden und denjenigen, deren spezifischer Klangcharakter ausschlaggebend für ihren Einsatz auf der Opernbühne war.

Der zweite Tag begann mit dem Beitrag „Militärische Anklänge im Finale von Beethovens »Fidelio« (1814): Überlegungen zu ihrer Physiognomie, ihrem Herkommen und ihrer Bedeutung“ von Robert Maschka (Frankfurt a.M.), in dem er sich zunächst auf die militärmusikalischen Anklänge in Form von Marschintonationen, Verwendung von Pauken und Trompeten sowie Signalwendungen innerhalb des Fidelio-Finales konzentrierte, bevor der Frage nach möglichen Anregungen Beethovens für diese inszenatorisch konzipierte Komposition nachgegangen wurde, wobei besonders Cherubini und Mozart als potenzielle Anhaltspunkte ausgemacht wurden.

Der nachfolgende Beitrag „Militär und Bühnenmusik in den Opern Giacomo Puccinis“ von Arnold Jacobshagen (Köln) behandelte den Wandel der traditionellen Gestalt der Militärmusik auf dem Theater in Form der Banda sul palco hin zur Individualisierung der Bläserbesetzungen in der Bühnenmusik. Dabei dienten vornehmlich Puccinis Opern Edgar und La Bohème als Ausgangspunkt für die Untersuchung der unterschiedlichen musikalischen Ausprägungen des Militärischen auf der Opernbühne. In der daran anschließenden Diskussion wurde die Beziehung zwischen diesen musikalischen Entwicklungen und sich zeitgleich vollziehenden militärtaktischen Veränderungen herausgestellt.

Peter Ackermann (Frankfurt a.M.) veranschaulichte in seinem Beitrag „,Ah! Que j’aime les militaires!‘ – Militär und Militärmusik im Kontext musikalischer Bühnengattungen bei Jacques Offenbach“ die unterschiedliche Verwendung des Militärischen und dessen musikalische Darstellungsformen in Offenbachs Opernschaffen anhand dreier exemplarisch ausgewählter, die unterschiedlichen Bühnengattungen – opéra bouffe, opéra féerie und opéra comique - repräsentierender Werke (Geneviève de Brabant, Die Rheinnixen, La Fille du tambour-major). Die unterschiedlichen Ausprägungen des Phänomens des „Militärischen“ lassen sich dabei nicht nur auf historisch-politische Entwicklungen in Frankreich, sondern auch auf gattungsspezifische Voraussetzungen und die damit verbundene musikalisch-dramaturgische Konzeption zurückführen.

In Rheinbergers musikalischem Schaffen konstatierte Birger Petersen (Mainz) nur eine verschwindend geringe Präsenz des Marsches. Dennoch dient ihm gerade ein solcher als Grundlage für die Entwicklung einer zentralen Szene seiner Märchenoper „Die sieben Raben“. In seinem Beitrag „,Der Arme gerieth in die Rheinüberschwemmung.‘ Die Marschszene in Rheinbergers Oper „Die sieben Raben“ (1869)“ fragte Petersen nach einer möglichen Provenienz dieser Marschmusik und beleuchtete dabei auch die Beziehung zwischen Rheinbergers persönlichem, eher zurückhaltendem Verhältnis zum Militär sowie der fast völligen Abwesenheit des Marsches in seinem Œuvre und der in diesem Zusammenhang in dieser Märchenoper schon fast verwunderlichen Verwendung der Militärmusik.

Friedhelm Brusniak (Würzburg) setzte sich in seinem Beitrag „Opernchöre, Militärmusik und Männergesangsvereine: Perspektiven eines Forschungsfelds“ mit dem Beziehungsgeflecht der Männergesangvereinsbewegung und der Militärmusik anhand verschiedener Fallstudien zum Männerchorrepertoire im langen 19. Jahrhundert auseinander, wobei ein besonderer Fokus auf die Opernchöre gerichtet wurde. Neben dem Männerchorlied, als zentrales Element, gehörten seit Beginn der Bewegung nicht nur Oratorien und Liederzyklen, sondern auch Bearbeitungen verschiedener Opernpartien zum  Repertoire der Männerchöre. Allerdings fehlt bisher noch eine systematische Untersuchung des Repertoires der Männergesangvereine, weshalb viele Kompositionen für Männerchor bislang kaum untersucht wurden.

Den Abschluss der Tagung bildete der Beitrag von Alessandro Lattanzi (Pesaro/Bern) „The Sound of Martial Music and the Clamour of War in Spontini’s Fernand Cortez“, in dem er zunächst auf den Einsatz der Banda sul palco in Opern der 1790er Jahre in Neapel einging, die Gaspare Spontini kennengelernt haben muss. Davon ausgehend behandelte er am Beispiel der Erstfassung der Oper „Fernand Cortez“ Spontinis Verhältnis zur Militärmusik. Diese Verknüpfung konstituiert sich zum einen in etlichen Gelegenheitskompositionen, deren Großteil nicht überliefert ist, zum anderen aber auch in den militärmusikalischen Anklängen, die das Gros seiner Kompositionen durchziehen und Anregung für eine Vielzahl von Militärmusikarrangements waren.

Die Veröffentlichung der Beiträge ist vorgesehen.