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Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Ein Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer

Dresden, 14.06.2019

Von Vitus Froesch, Dresden – 24.11.2019 | Selten finden Symposien statt, die sich gleichzeitig und gleichwertig zweier Komponisten annehmen – so geschehen am „Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer“ in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Prof. Dr. Matthias Herrmann, der am dortigen Institut für Musikwissenschaft lehrt, richtete diesen ereignisreichen Tag mit zahlreichen Vorträgen und musikalischen Darbietungen rund um beide Komponisten aus.

Neben der Tatsache, dass deren Schaffen aufgrund der herausragenden Qualität behandelt und gepflegt zu werden verdient, lag ein Grund für dieses „Doppelportrait“ Zimmermanns und Voigtländers in den Parallelen beider Persönlichkeiten: Im Herbst des Vorjahres konnten sie ihren 75. Geburtstag begehen, dazu hatten sie eine hervorragende musikalische Ausbildung als Mitglieder des Dresdner Kreuzchores unter dem prägenden Kreuzkantor Rudolf Mauersberger erfahren. Beide komponierten bereits als Kruzianer (so dass der Kreuzchor zu ihrem ersten Interpreten wurde), waren während ihres späteren Studiums Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin und erhielten auch – zu unterschiedlichen Zeiten – Professuren an der Dresdner Musikhochschule. Solche Gemeinsamkeiten kamen während des Symposiums genauso zur Sprache wie die jeweiligen Unterschiede in Lebensweg und künstlerischer Profilierung.

Neben den entsprechenden Vorträgen erhielt stets die Musik beider Komponisten ihren angemessenen Stellenwert. So begann der „Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer“ am Vormittag bereits mit der Generalprobe des umfangreich besetzten Hochschulorchesters zu jenem Konzert, das den krönenden abendlichen Abschluss des vielfältigen Programms im Konzertsaal der Hochschule bildete. Während der Generalprobe erläuterte der Dirigent und Professor an der Hochschule Ekkehard Klemm anhand einer Präsentation entsprechender Werkausschnitte die ausgewählten Kompositionen Zimmermanns und Voigtländers, die im Anschluss vollständig erklangen. Die Zuhörer erhielten so die Gelegenheit, sich in die Musiksprachen beider Komponisten „einzuhören“, um die Werke nochmals im abendlichen Konzert mit größerer Vertrautheit aufnehmen und erleben zu können.

In seinem Eröffnungsvortrag thematisierte Matthias Herrmann eingehend die Lebenswege, vor allem bis 1990 in der DDR, und das Schaffen beider Komponisten, illustriert an mehreren Hörbeispielen. Die stilistische Vielfalt, die beruflichen Stationen und die internationale Ausstrahlung beider kamen so allumfassend zur Sprache.

Ein sehr persönlicher und zugleich vom Werk ausgehender Vortrag des Regisseurs Michael Heinicke (Dresden) befasste sich eingehend mit dem Verhältnis Zimmermanns zum Musiktheater. Plastisch schilderte er die Zusammenarbeit zwischen Komponist und Regisseur und ging detailliert darauf ein, wie beeindruckend und bewegend die Wege zur Realisierung und letztlich die Aufführungen etwa der Weißen Rose, von Levins Mühle oder Der Schuhu und die fliegende Prinzessin waren. Verdeutlicht wurde außerdem, wie sehr Zimmermann die Wirkung seiner Musik auf das Publikum ein Anliegen ist – übrigens eine weitere Gemeinsamkeit zu Voigtländer.

Ekkehard Klemm widmete sich in seinem Überblicksvortrag dem Werk Voigtländers. Es gelang ihm, die verschiedenen musiktheoretisch fassbaren Elemente der unterschiedlichen stilistischen Ansätze „vom Kinderlied bis zur Avantgarde“, wie es im Vortragstitel hieß, genauso klar und allgemeinverständlich darzustellen, wie er zugleich die gesellschaftliche und politische Perspektive des Schaffens ausführlich in den Blick nahm. Ergänzend befasste sich Albrecht von Massow (Weimar) speziell mit Voigtländers Orchestermusik. Er stellte heraus, wie sehr offenbar die kirchenmusikalische Prägung des Komponisten insbesondere während der Mitgliedschaft im Dresdner Kreuzchor seine kompositorischen Mittel beeinflusst hat. Sphärisch-mystische Klänge, Instrumentalchoräle oder auch der Einbezug nachklingender Instrumente sowie die Orgelverwendung deuteten in diese Richtung. Daneben wies von Massow auf zumindest unterschwellige Verbindungen zwischen der Orchestermusik Voigtländers und der Sinfonik Bruckners und Mahlers hin.

Die Reihe der Vorträge schloss mit Ausführungen der Regisseurin Anna Drescher (Stuttgart). Aus der eigenen Praxis berichtete sie eindringlich über ihre Inszenierung der Zweitfassung der Kammeroper Weiße Rose von Udo Zimmermann. Neben allgemeinen Informationen zu Inhalt und Entstehung des Werkes ließ sie die Besucher teilhaben an ihrer persönlichen Auseinandersetzung und dramaturgischen Umsetzung des Werkes als 2016 entstandene preisgekrönte Inszenierung an der Oper Biel/Solothurn.

Abschließend fanden sich die Referenten gemeinsam mit Lothar Voigtländer zu einem Gespräch zusammen. Moderiert wurde es von Jörn-Peter Hiekel, der am Institut für Neue Musik der Dresdner Musikhochschule lehrt.

Erwähnenswert sind auch die vielfältigen musikalischen Darbietungen des Tages: Yungee Rhie (Sopran) reiste aus Südkorea an, um zusammen mit Seulgi Lee (Klavier, Liedklasse der Dresdner Musikhochschule) Zimmermanns Liederzyklus Wenn ich an Hiroshima denke zu interpretieren. Während Klemms Vortrag trat der Kinderchor der Singakademie Dresden unter Leitung von Claudia Sebastian-Bertsch hinzu, begleitet von Eunshil Oh und Gayeon Lee (ebenfalls Liedklasse der Dresdner Musikhochschule) am Klavier. Es erklangen einige der Trällerlieder Voigtländers – in ihrer eigentümlichen Mischung aus handwerklicher Schlichtheit, Humor, Tiefsinn und anrührender Melancholie.

Wie gut sich Zimmermann und Voigtländer in ihrer Orchestermusik ergänzen und bereichern, wurde beim abschließenden Konzert des Hochschulorchesters unter Leitung von Ekkehard Klemm deutlich. Ergänzt von Pendereckis Konzert für Flöte und Kammerorchester sowie Mozarts Violinkonzert Nr. 4 G-Dur (KV 218), erklangen Zimmermanns Mutazioni per orchestra (1973) und Voigtländers Orchestermusik III (2005).

Als einziger kritischer Nachtrag bleibt festzuhalten, dass das Publikum teils überschaubar blieb und die Veranstaltungen vor allem aus dem Kreis der Studierenden offenbar kaum besucht wurden. Dies ist angesichts der zahlreichen überraschenden und inspirierenden Momente, die dieser reichhaltige Tag zu bieten hatte, nur zu bedauern.

Die Vortragstexte des Symposiums werden in den Dresdner Schriften zur Musik (Tectum-Verlag, Baden-Baden) erscheinen.