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Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

„Musikalische Performanz im medialen Spektrum päpstlicher Repräsentation um 1500"

Münster 10.-11.05.2012

Von Anna Plaksin, Mainz – 21.06.2012 | Die elfte Tagung im Rahmen der jährlich in Münster stattfindenden Reihe „troja. Kolloquium und Jahrbuch für Renaissancemusik" widmete sich diesmal, erstmals unter der Ägide von Klaus Pietschmann (Mainz), der Frage nach der Rolle der Musik im Rahmen päpstlicher Repräsentationsstrategien. Wie Pietschmann bereits zu Beginn betonte, fand die musikalische Praxis um 1500 zwar nirgends eine vergleichbare Dokumentation wie am Papsthof, allerdings wurde ihre Einbettung in das System päpstlicher Repräsentation bisher lediglich ansatzweise hinterfragt. Wie die Beiträge der Tagung unterstrichen, ist eine Zusammenschau und Weiterentwicklung dieses weitreichenden Themenkomplexes in diesem Zuge mehr als geboten.

Die traditionsgemäße Eröffnung mit einem öffentlichen Abendvortrag aus der Perspektive einer verwandten Disziplin fiel in diesem Jahr dem Historiker Nikolaus Staubach (Münster) zu, der in seinem Beitrag „'Pastoris vita exemplum est aliis'. Päpstliche Repräsentation als Instrument der Kirchenreform" den für die weiteren Betrachtungen maßgebenden Bogen spannte, indem er drei grundsätzliche Modelle spätmittelalterlicher Repräsentationsstrategien ins Zentrum seiner Ausführungen rückte. Mit dem Assimilationsmodell der „Virtusrepräsentation" sollte der pontifex als Vorbild christlicher Lebensweise durch gezielte Zurschaustellung von Tugendhaftigkeit seine Würde und Autorität sichern. Dem diametral entgegen steht das Modell der „Majestasrepräsentation", welches durch die gezielte Inszenierung von Imposanz ein Abbild der ecclesia triumphans erzeugen und das Volk in erster Linie in staunende Devotion versetzen sollte. Als Partizipationsmodell fungierte wiederum die „Indulgenzpropaganda"; durch eine gezielte Ablasspolitik sollte aus repräsentativer Sicht die Kirche nicht nur fiskalisch, sondern durch einen Solidarisierungsakt in erster Linie als Heilsgemeinschaft gestärkt werden, um so den Erhalt der Kirche sicherzustellen.
Zu Beginn des zweiten Tages fand in einer weitergehenden Einführung zum Thema ein kurzer Abriss zu grundsätzlichen Medialisierungsprozessen von Musik im Kontext der intentionalen Auslegung zeremonieller Regularien statt. Dass Musik im Rahmen der medialen Repräsentation durchaus eine wichtige Rolle einnahm, zeigte sogleich der erste Beitrag des Tages von Philine Helas (Rom), die sich der Darstellung von Musik in der römischen Malerei der Renaissance widmete. Wie sich an den behandelten Beispielen zeigen ließ, bestand allerdings das Hauptinteresse doch in der Darstellung von Instrumenten und zeigte insbesondere die Auseinandersetzung mit ikonographischen Traditionen, wodurch der allegorische Charakter in den Vordergrund gerückt zu sein scheint. Auffallend ist wiederum die, von der Referentin u. a. durch heraldische Nachweise an den Objekten gezeigte, Verdichtung dieser Bildthematik im direkten Umfeld der Päpste Sixtus IV., Alexander VI. und Julius II. Wie auch schon im vorhergehenden Referat, zeigte sich in der Themenstellung des Beitrags von Melanie Wald-Fuhrmann (Berlin) eine tiefgreifende Diskrepanz in der Quellenlage. Auch in dem von ihr untersuchten Zeremonialschrifttum weicht die dort geschilderte Klangpraxis, die sich vor allem geräuschhaft darstelle, von dem ab, was musikalische Quellen nahelegen. Lediglich der hohe finanzielle Aufwand bei der Unterhaltung von Sängerkapellen spräche so gegen eine Bedeutungslosigkeit der Polyphonie, der sie vielmehr einen repräsentativen Charakter denn einen zeremoniellen zusprach. Diese fehlende Schnittstelle zwischen Zeremonie und überlieferter Polyphonie wurde erneut in Jörg Böllings (Göttingen) Beitrag zentral, der sich den Motetten am Papsthof widmete. So betonte er schon zu Beginn seiner Ausführungen die Schwierigkeit der Sachlage, da – wie er ausführte – Hinweise in den Zeremonialquellen kaum zu finden oder höchstens indirekt greifbar sind. Anlassbezogene wie auch -unabhängige Kompositionen seien so in erster Linie wohl der musica reservata zuzuordnen, worin sich letztendlich zeige, dass deren Bedeutung auf einer Ebene liege, die vielmehr dem Papst selbst zuzuordnen sei als dem Altardienst. Zudem betonte er in diesem Kontext die auf der performativen Ebene liegende hohe institutionelle Bedeutung der päpstlichen Sängerkapelle. Das als „Probebohrung" angekündigte Referat Fabian Kolbs (Mainz) wagte den zeitlichen Rückgriff auf die Zeit des abendländischen Schismas und untersuchte einige papstbezogene Kompositionen des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Bei der Frage nach den inhärenten Medialitätskonzepten standen – ganz in der Tradition der ars subtilior – das graphische Notat wie auch die starke kompositorische Orientierung an Konzepten von Raum und Zeitlichkeit in der Spätblüte der isorythmischen Motette im Vordergrund, welche im weiteren als Teile einer multidimensionalen Hermeneutik symbolischer Verdichtungen zu deuten versucht wurden. Unter dem Titel „Verschriftlichung des Ephemeren" nahm Thomas Schmidt-Beste (Bangor) die Gattung der repräsentativen Tenormotette in den Fokus, welche als typische Gelegenheitskompositionen hauptsächlich in retrospektiv ausgerichteten Sammelcodizes überliefert sind, nicht aber in funktionalen Quellen. Anhand einiger Werke in den Chorbüchern des Fondo Cappella Sistina konnte anschaulich gemacht werden, wie starre Quellentypisierungen und monokausale Erklärungsmechanismen letztendlich zu kurz greifen. Der abschließende Beitrag von Agnese Pavanello (Salzburg) nahm eine Neukontextualisierung einiger Werke Gaspar van Weerbekes vor. Basierend auf einer Zusammenschau ausgewählter Kompositionen und biographischen Materials entwickelte sie so ein Bild Weerbekes als einer der zentralen Figuren bei der Reform der päpstlichen Kapelle. Nicht nur fungieren seine Werke als Bindeglied zwischen den ältesten Chorbüchern fremder Provenienz und den für die Kapelle angefertigten, sondern es lässt sich auch der Motettenzyklus „In honorem Sancti Spiritus" als erweiterter Propriumszyklus zu Pfingsten interpretieren.
Die sich anschließende Zusammenführung der einzelnen Beiträge im Rahmen der Abschlussdiskussion zeigte, dass trotz dieser vielfältigen Annäherungsversuche die gestellte Grundfrage letztendlich noch nicht gelöst werden konnte. Insbesondere gerade der immer wieder in den Vordergrund tretende abstrakte Charakter innerhalb der Beiträge zeigte an dieser Stelle noch weiterführenden Forschungsbedarf. So wurde im Rahmen dieser Tagung doch eine notwendige Ebnung weiterer Wege auf diesem Gebiet vorgenommen. Als Ausklang konnten zudem am Abend auch einige zur Sprache gekommene Papstmotetten in einem Konzert durch das Ensemble La Renaissance vocale (Leitung: Michael Schmutte) einem größeren Publikum präsentiert werden. Insbesondere aufgrund des hohen Anspruchs des Repertoires wurde damit ein glänzender Abschluss gewählt. Das Konzert wurde dem erst kürzlich verstorbenen Gary Crighton in memoriam zugedacht. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist im Rahmen der Reihe für nächstes Jahr vorgesehen.