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Kommission für Auslandsstudien |
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Kommission für Auslandsstudien | Foto: Sabine Meine

Fachgruppe Deutsch-Ibero-Amerikanische Musikbeziehungen

Fachgruppe Systematische Musikwissenschaft | Foto: Kröninger, ERC-Projekt SloMo, UHH

Fachgruppe Freie Forschungsinstitute

Fachgruppe Musikwissenschaft im interdisziplinären Kontext | Philips Pavillon von Le Corbusier

Fachgruppe Nachwuchsperspektiven | Grafik: Sonja Kieser

Fachgruppe Digitale Musikwissenschaft | Foto: Andreas Münzmay

Fachgruppe Instrumentenkunde

Fachgruppe Musikethnologie und vergleichende Musikwissenschaft | Links: Karnatische Musik mit Lalitha und Nandini Muthuswamy Mitte oben: Das Tonbandgerät "Nagra IV-S" – ein Klang-Aufnahmegerät, das oft während Feldforschungen eingesetzt wurde Mitte unten: Klangdokumente im Archiv Rechts: Die Musikstudentin Chiu Ju Liao beim Stimmen einer Yueqin

Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Jahrestagung des Nationalkomitees Deutschland im ICTM

Weimar, 28.-29.11.2014

Von Dorit Klebe, Berlin – 10.04.2015 | Das Nationalkomitee Deutschland im International Council for Traditional Music (ICTM) veranstaltete seine Generalversammlung  und Jahrestagung des Jahres 2014 vom 28. bis 29. November in Weimar.  Auf Einladung von Prof. Dr. Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und von Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto, Lehrstuhl für Transcultural Music Studies am Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena fand die Generalversammlung und die Jahrestagung des deutschen Nationalkomitees des ICTM an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar statt. Tagungsort war das Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Die Festlegung des Tagungsthemas Tanz / Performance / Musikinstrument fand in Abstimmung mit der uns einladenden Institution statt und ist als eine posthume Hommage an unsere langjährige Präsidentin und kürzlich verstorbene Marianne Bröcker gedacht. Marianne hatte sich immer sehr intensiv mit Tanzforschung und mit ihrer Förderung innerhalb des ICTM und der Ethnomusikologie befasst. Zudem spiegelte es zum anderen inhaltliche Schwerpunkte des von Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto geleiteten Studienprofils am Lehrstuhl Transcultural Music Studies wider.

Zu Beginn begrüßte die Präsidentin Dorit Klebe alle Anwesenden sehr herzlich. Insbesondere willkommen geheißen wurden diejenigen KollegInnen, die aus Belgien, Kroatien, der Schweiz und Südafrika angereist waren. Worte der Begrüßung sprach ebenfalls Tiago de Oliveira Pinto, Inhaber des Lehrstuhls für Transcultural Music Studies an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar; er gab zudem eine Einführung in die Aufgaben und Ziele des Studiengangs, der 2014 sein fünfjähriges Bestehen feiern konnte.

Eine Grußbotschaft des Generalsekretärs des International Council for Traditional Music, Svanibor Pettan, überbrachte Dorit Klebe. Sie bestand aus der Präsentation von Fotografien über Marianne Bröckers  Aktivitäten und Funktionen aus den Jahren 2005–2007 einmal in der ICTM-Zentrale, hier besonders als Mitglied des ICTM Executive Board sowie des Programmkomitees für die Weltkonferenz 2007 in Wien; zum Anderen ihre aktive Teilnahme – live-Darbietungen von Tänzen mit eingeschlossen – an Symposia der ICTM-Studiengruppe Ethnochoreology in Slovenia 2006.

Marianne Bröckers Aktivitäten im ICTM-Deutschland aus den Jahren 2006-2012 ergänzte anschließend Dorit Klebe mit einigen Aufnahmen. Sie zeigten Marianne Bröcker in ihrer Funktion als Leiterin von Jahrestagungen (Mainz 2006), das Überführen der Akten aus Bamberg nach Berlin nach der Wahl von Dorit Klebe zur ihrer Nachfolgerin (2008), ihre Teilnahme an den Jahrestagungen in Halle (2010) und Würzburg (2012). In Würzburg war es das letzte Mal, dass sie an einer Jahrestagung teilnehmen konnte. Die Fotoauswahl zeigte sie in vielfältigen Situationen zu verschiedenen Anlässen und fügte sich auf diese Weise wie ein Mosaik zusammen, erzeugte in vielen von uns Anwesenden, die sie gekannt hatten, sehr emotional berührende traurige wie auch heitere Momente, einerseits eine Erinnerung an die Vergangenheit, andererseits spendete sie Kraft für die zukünftige Arbeit unseres Nationalkomitees.

Die Keynote sowie die ersten drei Vorträge waren speziell der Ehrung von Marianne Bröcker gewidmet. Jörgen Torp erläuterte einleitend in seiner Keynote die bedeutende Stellung der Ethnochoreologie und internationaler Ethnochoreologen bei der Gründung des “International Folk Music Council”, nach Umbenennung “International Council for Traditional Music” genannt. Seinen Hauptteil widmete Jörgen Torp der Erörterung von "Beziehungen zwischen Musik und Tanz" ("Music and Dance Relationship"), in denen verschiedene Ausdrucksformen diskutiert wurden, wie  musikalische Bewegungen und deren Bedeutungsspektren sowie auch Beziehungen von Tanz  bzw. Tanzmusik und Bewegung.  Einen Teil seiner Einleitung trug Jörgen Torp für die Gäste aus dem Ausland in englischer Sprache vor.

Vier ehemalige KollegInnen, Weggefährten und Freunde von Marianne Bröcker waren aus Kroatien, der Schweiz und Belgien angereist. Irena Miholić und Tvrtko Zebec vom Institut für Ethnologie und Folkloreforschung Zagreb hatten für die ICTM World Conference in Vienna 2007 u. a. zusammen mit Marianne Bröcker ein Panel zum Thema "La petite Tonkinoise: A widespread music and dance virus" vorbereitet.  Da sie ihre Teilnahme 2007 absagen mußte, nahmen Irena Miholić und Tvrtko Zebec ihren ursprünglich für Wien vorgesehenen Panelbeitrag zur Grundlage für ihr Referat “Notes and sounds by Marianne Bröcker: La petite Tonkinoise – From a Cabaret-Song to a «National Tanz»”. Sie gestalteten es in Form eines Co-Referates abwechselnd in deutscher und englischer Sprache und bezogen auch kurze Sequenzen von live-vorgetragenen Tanzbewegungen mit ein. Nach dem Referat übergab Tvrtko Zebec der Präsidentin eine Aufstellung über die Veröffentlichungen von Marianne Bröcker in der Study Group “Ethnochoreology” für die Mitglieder des ICTM-Deutschland.

Brigitte Bachmann-Geiser aus Bern und Honorarprofessorin am Zentrum für Populäre Kultur und Musik, einer Forschungseinrichtung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (vormals Deutsches Volksliedarchiv) hat ebenso wie Marianne Bröcker ein Nationalkomitee im ICTM gegründet – in ihrem Falle in der Schweiz – und lange als Präsidentin geleitet. Fachliche Bezüge beider hatten sich dadurch ergeben, dass sie in ihre Erforschungen von Musikinstrumenten ikonografische Quellen integriert hatten. Dieser Ansatz war auch Gegenstand des dem Andenken von Marianne Bröcker gewidmeten Referats “Was lehren uns bildliche Darstellungen über Schweizer Volksmusikinstrumente?” Die ehemalige Direktorin des Musikinstrumentenmuseums in Brüssel, Anne Caufriez, verbanden gemeinsame Ansätze in der Erforschung von Musikinstrumenten, zudem auch eine freundschaftliche Verbundenheit. Ihr zu Ehren gab sie einen Einblick in ihre rezenten Forschungen zum portugiesischen Vokal- und Performancegenre fado.

Untersuchungen zu spezifischen Aspekten der Tagungsthematik erläuterten sechs weitere Beiträge. Elvira Werner präsentierte „Das Carlsfelder Bandoneon-Revival und seine Facetten innovativer Musikpflege“. Basierend auf Chemnitzer und Carlsfelder Wurzeln vor mehr als 100 Jahren – und geprägt vom Bandoneon-affinen “Argentinischen Tango” –  wurde neben der Bewahrung regionaler Eigenheiten auf eine Präsentation und zeitgemäße Entwicklung tradierter Klangwelten im innovativen Kulturalltag fokussiert. Zwei Vorträge ermöglichten Einblicke in die Erforschung der Aufführungspraxis des Fernen Ostens, in unterschiedlichen Regionen und Kontexten. Yu Filipiak hatte “Die Orchester für Ritualmusik zur Zeit der chinesischen Song-Dynastie (960-1279)” untersucht. Diese Ritualmusik (yayue) spielte bei staatlichen Opferzeremonien und großen Festen eine große Rolle. Der Vorstellung von Formen dieser Musik und entsprechenden Anwendungsgebieten folgten Analysen unterschiedlicher Orchestertypen und Musikinstrumente sowie Orchesteraufbau und Musikrepertoire. Anina Paetzold berichtete über ihre jüngsten Forschungen in Kambodscha. Da die „traditionellen“ performativen Künste als gefährdet gelten, werden einige Genres, die relativ einfach auf der Bühne aufgeführt werden können, solchen gegenübergestellt, bei denen die Akteure Anpassungsbedarf sehen, um sie für ein internationales Publikum interessant zu machen oder auf einer Bühne überhaupt präsentieren zu können. Diachrone Vergleiche aus Vergangenheit und Gegenwart erläutern diese Besonderheiten, stellen sie aber auch in Frage. Bernhard Bleibinger präsentierte in „Performed Heritage in Beispielen indigener und arrangierter Musik im Eastern Cape“ einen differenzierten Einblick in das musikalische Erbe am Eastern Cape. Als Vermittler und Träger wurden zum einen das Indigenous Orchestra des „Fort Hare Music Department“ mit seinem vielseitigen Repertoire gesehen und Aufführungen in Ausrichtungen von indigeneous/traditional bis zu neo-African. Zum anderen erklärte er einzelne Gesänge unterschiedlichen sozio-kulturellen Inhalts beispielhaft für das musikalische Erbe und bezeichnete sie als kollektives Medium, das sich verschiedenster bedeutungstragender Elemente bedient und die Gestaltung der Zukunft unterstützt. Der Komponist zeitgenössischer Musik Art-Oliver Simon untersuchte in seinem Beitrag “Europäische Musikinstrumente im transkulturellen Kontext am Beispiel des Kontrabass-Projektes des Simon Verlages für Bibliothekswissen” zwei Kompositionen für Kontrabass von internationalen Komponisten und zeigte anhand von Analysen von Notenpassagen Einflüsse aus verschiedenen Musikkulturen auf, die sich in einem innovativen musikalischen Austausch befindend beginnen zu entwickeln. Tobias R. Klein fokussierte seinen Blick auf afrikanische Adaptionen von Hip-Hop, die sich stärker von Modellen des amerikanischen Mainstream unterscheiden. Gemäß den Ausführungen seines Referats „On Tonga and Azonto: Recent Trends in the Ghanaian Hiplife Movement“ haben Ghanaische Protagonisten des „Hiplife“ wenig mit der alten Schule der “street authenticity” gemeinsam; vielmehr haben sie besondere, durch eine auffallend extravagante Gestik charakterisierte Tanzbewegungen geprägt und entwickelt.

Die freien Berichte leiteten Klaus Frieler und Martin Pfleiderer ein und eröffneten einen differenzierten Einblick in ihre Forschungen zu  computergestützten Verfahren der Musikanalyse.  In Ihrem Vortrag “Rechnergestützte Melodieanalyse mit 'MeloSpySuite'“ stellten sie Ziele, Konzeption und Funktionsweise von MeloSpySuite anhand von Untersuchungen zu Melodien der Essener Volksliedsammlung sowie zu einstimmigen Jazzimprovisationen dar. Stefan Menzel diskutierte in seinem Beitrag “Modernisierung, Konservierung, Vermittlung: Japanische Musiktraditionen am Ende der Moderne?” die Frage, inwieweit die vor ca. 50 Jahren breit angelegten kulturfördernden Maßnahmen von Seiten der Regierung zum Erhalt der Kulturgüter von hohem Wert beigetragen haben. Es wurden die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Regierungsprogramme eruiert und im Hinblick auf die im 21. Jahrhundert nicht kleiner gewordenen Herausforderungen kritisch betrachtet. Philip Küppers gab einen umfassenden Überblick über den augenblicklichen Stand des „Colaborative Research in Afghanistan. Ein Projektorientierter Ansatz in musikethnologischer Forschung“.  In einer Zusammenarbeit zwischen Partnerinstitutionen in Afghanistan und dem Lehrstuhl für Transcultural Music Studies in Weimar entwickelte Zielsetzungen wurden erläutert, die etwa die Förderung der afghanischen Musikkultur, die Intensivierung musikologischer Forschungen, die Assistenz bei der Unterschutzstellung von immateriellem Kulturerbe und die Entwicklung von Material für die allgemeine Musikerziehung in Afghanistan und Deutschland betreffen. Lorenz Beyer führte musikalische „Glokalisierungsprozesse“ – ein Begriff, der sich aus global und lokal zusammensetzt – vor, die für den Rapper und Beatproduzenten Monaco F wichtig waren, um ein global verbreitetes Genre, den Hip-Hop, lokal in Bayern zu verorten.

Das Panel von Donatella Friebe, Florian Heinrich und Simon Nußbruch zum Thema “Musik der Bündischen Jugend heute” vermittelte einen Einblick in das gemeinschaftliche Singen auf dem Hohen Meißner 2013. Das Joint Venture Team bestehend aus Forschern aus der Historischen Musikwissenschaft und der Musikethnologie präsentierte  Ausarbeitungen von Ergebnissen ethnomusikologischer Feldforschung bei den Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum des Freideutschen Jugendtages auf dem Hohen Meißner/Nordhessen, Oktober 2013. Ihr Ziel war es, eine dichte Beschreibung der heutigen Bündischen Jugend unter musikalischem Aspekt zusammenzutragen. Im Zentrum standen Untersuchungen zum  “Gemeinschaftlichen Singen” mit Fragestellungen, inwieweit musikalisches Repertoire und Musikpraxis hierbei eine Schlüsselrolle einnahmen sowie nach Situationen und Organisationsformen des “Gemeinschaftlichen Singens”, dessen Bedeutung für den Einzelnen. Anhand von audio-/visuellen Aufnahmen gab diese Dokumentation einen Einblick in die vielfältigen musikalischen Situationen der bündischen Lebenswelt.

Der Themenschwerpunkt der Jahrestagung des deutschen Nationalkomitees zeigte, dass die Erforschung der performing arts insgesamt und der Performativität von Musik und Tanz im Besonderen für die Musikethnologie von elementarer Bedeutung ist; sie steht vor neuen methodischen und erkenntnistheoretischen Herausforderungen. Die differenzierten Beiträge zeigten, wenn auch teilweise nur in Ansätzen, wichtige Perspektiven hierzu. Es ging beispielsweise um Fragestellungen, wie der Umsetzung von Musik in Bewegung, der Entwicklung von spezifischen Tanzbewegungen. Thematisiert wurden zudem Versuche von Rekontextualisierungen historischer traditioneller Aufführungspraxis und von rezent als gefährdet angesehenen Genres performativer Künste sowie das aktive Mitgestalten von Musikern/Orchestern am Erhalt von Kulturgütern. Die Diskussionen zeigten, dass bisher jedoch die entsprechenden methodischen Verfahren sich noch in der Entwicklung zu befinden scheinen. Die Publikation der ausgearbeiteten Referate kann als ein wichtiger Schritt im Zusammenhang mit der erneuerten Sichtweise auf zunehmend politische und symbolisch geprägte Bedeutungszuschreibungen der performing arts im globalen und medialen Zeitalter gesehen werden.