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Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Der Hofkapellmeister in Thüringen um 1700. Internationales Symposium anlässlich des 300. Todestages von Philipp Heinrich Erlebach

Weimar und Rudolstadt, 10.-11.10.2014

Von Benedikt Schubert, Weimar – 12.11.2014 | Das von der Academia Musicalis Thuringiae und dem gemeinsamen Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltete und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Mitteldeutschen Barockmusik e.V., dem Thüringer Kulturministerium und der Sparkasse Saalfeld-Rudolstadt geförderte Symposium mit Teilnehmer/innen aus Japan, Brasilien, Polen, den USA und Deutschland war zwei Zielen verpflichtet: Wurden zum einen generell Funktion, Rolle und Amt des thüringischen Hofkapellmeisters um 1700 diskutiert, stand speziell mit dem Jubilar Philipp Heinrich Erlebach (1657–1714) ein Exempel jener äußerst facettenreichen Musikergruppe im Mittelpunkt.

Nach der Eröffnung des Symposiums im Hörsaal des Hochschulzentrums am Horn durch Prof. Dr. Helen Geyer (Weimar-Jena) und Dr. Christian Storch (Academia Musicalis Thuringiae e.V. / Florianópolis, Brasilien) präsentierte Dr. Maria Stolarzewicz (Warschau, Polen) zunächst aus germanistischer Sicht „Einblicke in die ästhetischen Hintergründe der Musikkultur an thüringischen und mitteldeutschen Höfen um 1700“. Neben der im 17. Jahrhundert durch die Einführung der seconda practica neu entfachten Debatte um das (vernünftige) Verhältnis von Musik und Sprache wurden durch den Beitrag vor allem die moralischen und theologischen Auseinandersetzungen um den „theatralischen Styl“ um 1700 summarisch vor Augen geführt.

Der Beitrag von Dr. Claus Oefner (Eisenach) – „Hofkapellmeister und Kirchenmusik“ – stellte das Verhältnis des Hofkapellmeisters zur Komposition und Ausführung von Kirchenmusik in den Mittelpunkt. Trotz der konstatierten grundlegenden Tendenz, dass der Kantor mehr für die Ausführung der neuesten Kirchenmusik zuständig war, und von dem Hofkapellmeister hingegen erwartet wurde, Kompositionen im modernen Stil selbst zu verfertigen, wurde deutlich, wie gefährlich eine solche Trennlinie sein kann: Sehr wohl gab es auch Kantoren, die willens und in der Lage waren, moderne Kirchenmusik zu komponieren.

Die „Quellenkritischen Überlegungen zur Frage von Bestand und Besetzung thüringischer Hofkapellen um 1700“ von Prof. Dr. Christian Ahrens (Bochum) behandelten die in jüngster Zeit wieder in verstärktem Maße gestellte Frage nach den zeitgenössischen Aufführungsbedingungen (barocker) Musik. Ahrens stellte deutlich heraus, dass etwa die bisherigen für gewiss angenommenen Besetzungsstärken im Lichte bisher unbeachteter Quellensorten (Personalakten, Rechnungsbelege) zu hinterfragen bzw. individuell auf die jeweiligen Höfe zuzuspitzen sind: So erlauben die Kenntnisse über die in den Residenzen zusätzlich zur Hofkapelle tätigen Musiker aus der Gruppe der Stadtmusiker, Hautboisten (Militärkorps) und Trompeter keine generellen Postulate hinsichtlich Aufführungsbedingungen und Aufführungsstärke.

Einen auf Analyse fokussierten Beitrag zur Kompositionstechnik Johann Sebastian Bachs in seiner Funktion als Konzertmeister am Weimarer Hof lieferte Prof. Dr. Stephen A. Crist (Atlanta, USA). Unter dem Titel „A Compositional Testing Ground: Arias in Johann Sebastian Bach´s Weimar Church Cantatas” zeigte Crist anhand der Da-capo-Arien, wie Bach zu Beginn seiner ersten regelmäßigen Kantatenproduktion (1714–16) etwa das Ritornellprinzip noch relativ starr handhabt und erst später (in Leipzig) die Ritornelle bei der Wiederholung variiert und moduliert – eine Entwicklung, die auf Bachs „Compositional Testing Ground“ als Konzertmeister in Weimar zurückgeführt werden kann.

In seinem Beitrag „Johann Georg Counradj und die Hofkapelle des Herzogs von Sachsen-Römhild“ stellte Rashid-S. Pegah M. A. (Würzburg) den (zumindest nominell) einzigen Hofkapellmeister des kleinen und kurzlebigen Herzogtums vor. Pegah kontextualisierte Counradjis Schaffen durch die Erweiterung des Blickfeldes auf die Hofkapellen zu Ansbach, Bayreuth und Oettingen sowie auf die Hamburger Oper einerseits und auf die Entwicklung und Leitung der Römhilder Hofkapelle nach dem Abgang Counradjs andererseits.

Weitere fünf Referate fanden dann am Samstag in der Porzellangallerie des Schlosses Heidecksburg zu Rudolstadt – dem Wirkungsort Erlebachs – statt. Eröffnet wurde der Reigen durch Bernd Koska M. A. (Leipzig) mit einem Einblick in „Erlebach und Steffani als Wegbereiter der Schleizer Hofmusik unter Graf Heinrich IX.“. Anhand von Archivalien (vornehmlich Rechnungseinträgen) lässt sich ein intensiver Austausch mit dem Hannoveraner Kapellmeister Agostino Steffani belegen: So trafen in den 1690er Jahren etliche Pakete mit Musikalien aus Hannover in Schleiz ein. Aber auch Erlebachs Musik wurde offensichtlich in Schleiz geschätzt, da sie fester Bestandteil des Schleizer Repertoires war.

Unter dem Titel „Klein-Versailles an der Nesse: Christian Friedrich Witt und die Hofmusik in der Sommerresidenz Friedrichswerth“ präsentierte Prof. Dr. Andreas Waczkat (Göttingen)

einen Einblick in die fürstliche Repräsentation der Gothaer Herzöge. Für die Eröffnung der baulich an Versailles orientierten Sommerresidenz hatte der spätere Kapellmeister Christian Friedrich Witt ein Gespräch-Spiel komponiert. Witts heute weitgehend unbekanntes und unbeachtetes Schaffen sowie seine Kontextualisierung innerhalb der Gothaer Hofmusik standen in der zweiten Hälfte des Referats im Mittelpunkt.

Der „in Rudolstadt überlieferten Kirchenmusik Rosenmüllers“ als „Entwicklungshorizont der deutschen protestantischen Musikgeschichte“ widmete sich Dr. Junko Sonoda (Kyoto, Japan). Johann Rosenmüller war der am häufigsten überlieferte (auswärtige) Komponist in Rudolstadt. Es fällt auf, dass offensichtlich die stilistisch avanciertesten, vom Wort-Ton-Verhältnis ausgehenden Kompositionen des Komponisten gezielt in Rudolstadt von Erlebach gesammelt wurden. Dies spricht einerseits für eine große Offenheit des Hofes, andererseits eröffnet diese Wertschätzung der Modernität schon einen Blick auf die epochemachende Entwicklung der Kantate des Neumeister-Typus.

Im Beitrag „Theatermusik für die ‚Kammer‘. Überlegungen zu Philipp Heinrich Erlebachs Druckpublikation Harmonische Freude Musicalischer Freunde (Nürnberg 1697 und 1710)“ zeigte Dr. Andreas Münzmay (Frankfurt am Main) anhand dieser Druckpublikation das z. T. vertrackte Verhältnis des Großteils der darin enthaltenen Arien Erlebachs zu den Opernvorlagen des Komponisten aus Die Plejades (1693) und Die siegende Unschuld (1702). Unter kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten wurde hervorgehoben, dass mit Hilfe des Notendrucks Erlebach eine Annäherung auch an bürgerliche Musikpraxen intendiert haben mag.

Gab es Verbindungen zwischen „Erlebach und Württemberg“? Dieser Frage ging Prof. Dr. Joachim Kremer (Stuttgart) in seinem Referat nach: So ist auffällig, dass sich einige Nachweise von Kompositionen Erlebachs in Württemberg auffinden lassen. Eventuell kommt die Herzogswitwe Magdalena Sibylla von Württemberg (1712) als Schnittstelle einer pietistischen Frömmigkeitspraxis im Südwesten in Frage.

In der Abschlussdiskussion wurden zum einen die Gemeinsamkeiten der vorgestellten Forschungen konstatiert, zum anderen die drängenden Desiderate bei der Erforschung der musikalischen Praxis um 1700 hervorgehoben: Die – von allen Referenten berührte – Mobilität und der Austausch von Musikern und Musikalien lassen es mehr als sinnvoll erscheinen, derartige Aktivitäten zentral (etwa in einer Datenbank) zu erfassen und der Forschergemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Weiterer Klärungsbedarf hinsichtlich eines solchen Projekts ist einstimmig festgestellt worden.