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Kommission für Auslandsstudien | Foto: Sabine Meine

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Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

Händel und seine Interpreten / Handel and His Interpreters

Halle, 08.-10.06.2015

Von Anna Schaefer, Halle/Saale – 01.12.2015 | Schon seit längerer Zeit bildet Georg Friedrich Händels kompositorisches Schaffen im Hinblick auf seine Interpretenorientiertheit einen Hauptbereich der internationalen Händelforschung. In Anbetracht dieses besonderen Forschungsgegenstandes veranstalteten die Internationale Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft, die Stiftung Händel-Haus und die Abteilung Musikwissenschaft am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom 8. bis 10. Juni 2015 die diesjährige Internationale Wissenschaftliche Konferenz zu den Händel-Festspielen in Halle (Saale). Eine besondere Betonung lag in diesem Jahr auf der Internationalität, waren doch über die Hälfte der Referentinnen und Referenten zu diesem wissenschaftlichen Austausch aus dem Ausland angereist. Die Konferenz gestalteten 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA, Südafrika, den Niederlanden, Österreich und natürlich auch aus Deutschland.

Die Präsentationen und wissenschaftlichen Erkenntnisse waren außerordentlich vielseitig, anregend und abwechslungsreich. Neben Vorträgen über wichtige Persönlichkeiten der Händel-Interpretation wurden auch gender-, performance- und gesangsästhetische Sachverhalte des 18. bis 21. Jahrhunderts thematisiert.

Eingeleitet wurde die Konferenz durch einen musikalischen Beitrag zweier Studierender des Instituts für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sarina Meier (Alt) und Joo Yeon Kim (Klavier) boten zwei Arien Händels sehr ausdrucksstark dar. Zu hören waren „Empio, dirò, tu sei“ (Arie des Cesare aus Giulio Cesare in Egitto, HWV 17) und „He was despised“ (Arie aus Messiah, HWV 56).

Den ersten Höhepunkt des Tages markierte die Verleihung des von der Stiftung Saalesparkasse geförderten Internationen Händel-Forschungspreises 2015. Die Jury hatte sich einstimmig dafür entschieden, den mit 2.000 Euro dotierten Preis Regina Compton (Rochester, USA) für ihre Dissertation von 2015 „The Recitativo Semplice in Handel’s Operas for the First Royal Academy of Music, 1720–1728” zu verleihen. Sichtlich gerührt von der von Donald Burrows (Milton Keynes) gehaltenen Laudatio, empfing sie den Preis und referierte anschließend zu ihrem Forschungsthema.

Nach einem erkenntnisreichen Einstieg durch den Vortrag Juliane Riepes (Halle), welcher einen Überblick des Forschungsstandes zu den Kirchensängern in den Musikzentren Italiens des frühen 18. Jahrhunderts lieferte, schloss der erste Tag mit zwei Vorträgen über Händelsängerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Während sich Corinna Herr (Bochum/Köln) mit unterschiedlichen Rodelinda-Sängerinnen des 18. Jahrhunderts und deren Darstellung und Rezeption befasste, machte Marlen Hachmann (Hamburg) das Auditorium durch einen Vortrag mit kurzen selbstgestalteten musikalischen Ausschnitten mit der Händelinterpretation Pauline Viardots vertraut. Im Anschluss sang Hachmann begleitet von einer Pianistin auf Wunsch der Zuhörer nochmals gekonnt die gesamte Arie der Cleopatra „Piangerò La Sorte Mia“ aus der Oper Giulio Cesare in Egitto, HWV 17, unter Berücksichtigung der interpretatorischen Angaben in Viardots Edition aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Am Morgen des zweiten Konferenztages erklärte Michael Burdon (Oxford) ausgesprochen anschaulich, welche technischen und architektonischen Möglichkeiten die Londoner Oper Händel bot, um seine Werke zu präsentieren. Dabei zeigte der Referent außerdem die baulichen Entwicklungen des Hauses und des Stadtviertels auf, die sich in Händels Schaffenszeit vollzogen. Außerordentlich charismatisch gelang es Anke Charton (Wien) im zweiten Teil des Konferenztages über das Verhältnis von Geschlecht, Körper und Klang bei den männlichen Operncharakteren in Händels Opern zu referieren. So widmete sie sich vor dem Hintergrund der Sängerbesetzungen der Händel-Zeit nicht nur der Besetzungspolitik der heutigen historisch informierten Aufführungspraxis, sondern auch der Besetzungsdiskussionen der Händelrenaissance des 20. Jahrhunderts.

Am letzten Konferenztag stellte Graydon Beeks (Claremont) die berühmte Sängerin Nellie Melba als herausragende Händelinterpretin des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts vor. Am Beispiel der Arie „Sweet Bird“ aus L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato, HWV 55 untersuchte Beeks musikalische Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Konzertperformanz und einer Einspielung der Arie aus dem Jahr 1907. Des Weiteren ging er auf die Aufnahmetechnik der damaligen Zeit ein und beleuchtete die damit einhergehenden Probleme der dynamischen Differenzierung, Artikulation und des Arrangements. Über eine ganz andere Art von Interpreten sprach Rebekka Sandmeier (Cape Town), die sich nicht auf eine Person als Interpret beschränkte, sondern über die Händelinterpretation in Südafrika im Allgemeinen sprach. Dabei zeigte sie den Weg der Musik Händels, vor allem des Messiah, HWV 56, aus Europa nach Südafrika auf und thematisierte die Rezeptionstradition in Hinblick auf die Apartheid. Außerdem zeigte Sandmeier sehr anschaulich anhand von Video- und Tonaufnahmen, auf welche Weise in den 20 Jahren nach dem Fall der Apartheid die Musik Händels adaptiert und Teil der kulturellen Wirklichkeit der einheimischen Bevölkerung wurde. Den Abschluss der Konferenz bildeten zwei Vorträge über die musikalischen Interpretationen zweier Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Während Michael Zywietz (Bremen) die Händelinterpretation des deutschen Dirigenten Karl Richter und dessen ästhetische Prämissen untersuchte, widmete sich Donald Burrows (Milton Keynes) dem britischen Dirigenten Harold Malcolm Watts Sargent und ließ ihn mithilfe eines seltenen Filmdokumentes aus dem Jahr 1956 selbst über seine Messiah-Interpretation zu Wort kommen.

Die diesjährige Internationale Händelkonferenz zu den Händelfestspielen in Halle (Saale) stach vor allem aufgrund des breiten thematischen Spektrums der Vorträge heraus. Alle Präsentationen waren durch eine bemerkenswerte Anschaulichkeit in Form von Video-, Ton- und Bildmaterial geprägt, was eine rege Diskussionsteilnahme begünstigte. Abschließend soll noch auf das kommende Händel-Jahrbuch 2016 verwiesen werden, in welchem die Vorträge der Konferenz veröffentlicht werden.