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Kommission für Auslandsstudien | Foto: Sabine Meine

Fachgruppe Deutsch-Ibero-Amerikanische Musikbeziehungen

Fachgruppe Systematische Musikwissenschaft | Foto: Kröninger, ERC-Projekt SloMo, UHH

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Fachgruppe Nachwuchsperspektiven | Grafik: Sonja Kieser

Fachgruppe Digitale Musikwissenschaft | Foto: Andreas Münzmay

Fachgruppe Instrumentenkunde

Fachgruppe Musikethnologie und vergleichende Musikwissenschaft | Links: Karnatische Musik mit Lalitha und Nandini Muthuswamy Mitte oben: Das Tonbandgerät "Nagra IV-S" – ein Klang-Aufnahmegerät, das oft während Feldforschungen eingesetzt wurde Mitte unten: Klangdokumente im Archiv Rechts: Die Musikstudentin Chiu Ju Liao beim Stimmen einer Yueqin

Jan Vermeer, Die Musikstunde | Royal Collection (London)

D-Mbs Mus.ms. C, fo. 2v und 3r | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015144-2

21. Colloquio del „Saggiatore musicale“ / 21. Tagung des „Saggiatore musicale“

Bologna, 17.-19.11.2017

Von Giuseppina Crescenzo, Weimar – 31.08.2018 | In der Reihe der „Colloqui di Musicologia“, die der Verein „Il Saggiatore musicale“ alljährlich ausrichtet, fand in Bologna das mittlerweile 21. Kolloquium statt. Das Programm bestand nach einem äußerst anregenden Eröffnungsvortrag von Paolo Fabbri (Ferrara) zur musikalischen Biographik aus zwei Round Tables und dreißig freien Referaten. Das erste Panel mit Claudio Bacciagaluppi, John Butt, Franco Buzzi, Wolfgang Hochstein und Alberto Rizzuti, moderiert von Raffaele Mellace (Genua), fokussierte die Reformation im Kontext der europäischen Musik seit 1517, während sich das zweite mit Musiktheater und Neoklassizismus befasste. Hier referierten unter der Leitung von Virgilio Bernardoni (Bergamo) Adriana Guarnieri, Anna Maria Morazzoni, Raffaele Pozzi, Guido Salvetti, José Sasportes und Gianfranco Vinay.

Großen Publikumszuspruch fanden die freien Papers zum Thema Theater, zur musikalischen Dramaturgie, zur kritischen Edition von Opern und zur Opernregie. Gleich mehrere Beiträge befassten sich mit der venezianischen Oper des 17. Jahrhunderts. Maria Martino (Forlì) sprach zur Incoronazione di Poppea von Busenello-Monteverdi, deren dramaturgische Kohärenz sie im Sinne einer Vorwegnahme des klassischen Prinzips der „Liaison des scènes“ analysierte. Sergio Monaldini (Ravenna) zeigte, dass im Seicento der Sänger-Schauspieler weit verbreitet war beziehungsweise professionelle Schauspieler selbst gelegentlich Opernrollen verkörperten. Valeria Conti (Bologna) stellte die Ergebnisse aus den unter der Leitung von Lorenzo Bianconi laufenden Gruppenarbeiten zu Francesco Cavallis Giasone vor, diskutierte Hypothesen zu Entwicklung und Tradition des Textes und gewährte so einen Einblick in die Vorbereitungen der kritischen Ausgabe der Werke Cavallis bei Bärenreiter. Adriana De Feo (Wien) verglich zwei Libretti Apostolo Zenos aus der venezianischen Pastorale-Tradition am Ende des 17. Jahrhunderts: Tirsi von 1696 mit der Musik von Lotti für das venezianische Teatro S. Salvatore und Narciso, den Francesco Antonio Pistocchi 1697 für das Ansbacher Theater komponierte. Saverio Lamacchia (Udine) untersuchte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier Vorläufer des Turco in Italia von Gioachino Rossini: Il bon-ton vinto dal buon senso, ein Dramma giocoso von Caterino Mazzolà, das von zwei Dresdnern vertont worden war – von Joseph Schuster 1780 für das San Moisè in Venedig und von Franz Seydelmann 1788 für das Kleine Kurfürstliche Theater in Dresden. Elena Biggi Parodi (Parma) behandelte zwei von Antonio Salieri vertonte Drammi giocosi von Caterino Mazzolà, La scuola dei gelosi und Il mondo alla rovescia, die erste im Vergleich der Quellen der Ausgabe Venedig 1779 mit der Ausgabe Wien 1783, die zweite im Vergleich der Ausgabe Wien 1795 mit der Ausgabe Venedig 1779, die nie aufgeführt wurde. Paolo De Matteis (Udine) untersuchte schließlich anhand der Szenenanweisungen der Libretti und der Partituren die gestische Funktion in Mozart-Opern.

Eine ebenso intensive wie anregende Session widmete sich der geistlichen und weltlichen Musik des Mittelalters und der Renaissance. Thomas Persico (Bergamo) analysierte erstmals die musikalischen Glossen des 13. bis 14. Jahrhunderts zum Traktat von Marziano Capella De nuptiis Philologiae et Mercurii (Biblioteca Laurenziana in Florenz, Ms. Pl. 51,17), in denen er unter anderem Boethius’ Dreiteilung der Musik identifizierte. Stefania Roncroffi (Reggio Emilia) erklärte den Ursprung eines Antiphonars durch Vergleichung eines Fragments in Nonantola-Notation, das von der Princeton University erworben wurde, mit Fragmenten in Pfarrarchiven von Fanano-Bombiana-Modena und Bologna. Giorgio Monari (Rom) sprach über die weite Verbreitung des Troubadour-Liedes „Can vei den lauzeta mover“ von Bernart de Ventadorn und legte dar, dass dessen Ausstrahlung durchaus seiner Bedeutung im Rahmen der modernen Wiederentdeckung mittelalterlicher Musik entsprochen haben dürfte. Mariarosa Pollastri (Rovigo) ging der Ausbreitung des calvinistischen Glaubens im Zusammenhang mit der Musik in Norditalien nach, und zwar am Beispiel der venezianischen Veröffentlichung der Sechzig Psalmen Davids im Jahr 1585, denen als italienisches Vorwort ein von Johannes Calvin in Genf 1543 „à tous chrestiens“ gerichteter Text vorangestellt ist. Jessie Ann Owens (Davis, California) sprach über den wenig bekannten venezianischen Komponisten Giovanni Brevio, den sie im Vergleich zu dem ungleich gründlicher studierten flämischen Cipriano de Rore profilierte. Giulia Riili (Genf) untersuchte anhand des ersten Buches der Madrigale von Paolo Caracciolo die Dynamik musikalischer Lehrer-Schüler-Beziehungen, wobei für sie vor allem Fragen im Vordergrund standen, wie weit es für den Schüler nötig und möglich ist, Modellen seines Lehrers (in diesem Fall Pietro Vinci) zu folgen und zu widersprechen und welche Kriterien für die Zugehörigkeit zu einem „Stil“ sich hieraus ergeben. Yves Fournier (Genf) konzentrierte sich auf die Verwendung des Prolationspunktes in den ternären Abschnitten in Musik am Ende des 16. Jahrhunderts in Italien und auf den Fall Pietro Ponzio, der in einer Sammlung vier Arten von Notation verwendet hat (Missarum 1581) und damit heute zur Frage Anlass gibt, ob eine derartige Nuancierung einen praktischen Sinn hatte oder dem zeittypischen Manierismus geschuldet war.

Die freien Vorträge der Sonntagssession vom 19. November befassten sich überwiegend mit Aspekten der Musik des Barock und der Klassik. Maddalena Bonechi (Florenz) analysierte das erste Buch der Varie musiche von Giovanni Battista da Gagliano als Möglichkeit der Rekonstruktion der Musikpraxis florentinischer Bruderschaften des frühen 17. Jahrhunderts. Luigi Collarile (Venedig) stellte die Ergebnisse einer sehr originellen Untersuchung zu Musikausgaben vor, die mit falschen Presseangaben veröffentlicht wurden. Paul Kenyon (Scarborough) untersuchte die kompositorische Kunst von Germano Pallavicino und riet der Forschung zur Rekonstruktion von L’Acquina Napolitana. Galliano Ciliberti (Monopoli) sprach über seine Untersuchungen von „Journals“, wie sie französische Touristen und Intellektuelle von ihren Besuchen der Kirchen Roms zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert hinterlassen haben, während Davide Mingozzi (Bologna) Thalbergs Kritiken zum Art du chant appliqué au piano in einer Synopse von „Italia musicale“ und „Gazzetta musicale di Milano“ behandelte.

Auch Beiträge spanischer Provenienz waren beim Bologneser „Colloquio“ vertreten. So sprach Vicente Romaní López (Madrid) über geistliche Musik von Francisco Javier García Fajer und über spanische Kopisten, die sich im 19. Jahrhundert für das musikalische Erbe dieses Komponisten eingesetzt haben. Aurèlia Pessarrodona (Barcelona) beschrieb das Projekt IFMuC, in dem sie seit 2001 katalanische musikalische Musiksammlungen katalogisiert und das sich gut eignet, das Zirkulieren von italienischen Stoffen und italienische Opernpraxis im Repertoire Kataloniens im 18. Jahrhundert zu rekonstruieren. Luciano Rossi (Rom) stellte sein Forschungsprojekt zur Kirchenmusik von Francesco Zanetti (1738-1788) vor, einem Mitglied der Bologneser Accademia Filarmonica, der unter anderem Kantor in Perugia an der Accademia degli Unisoni war. Amedeo Santolini (Bologna) untersuchte die Praxis der Koran-Rezitation und deren Wahrnehmung in muslimischen Gemeinschaften. Zwei freie Vorträge bewegten sich in der Zeit der Romantik: Víctor Sánchez (Madrid) zeigte anhand von musikalischen Quellen in Madrid die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Verdis Il Trovatore und dem spanischen romantischen Drama El trovador von Antonio García Gutiérrez auf. Der Anglist Enrico Reggiani (Mailand) ging der Shakespeare-Rezeption in Opus 127 Nr. 5 von Robert Schumann nach.

Sieben freie Vorträge waren auf das 20. Jahrhundert gerichtet: Anna Tedesco (Palermo) befasste sich mit frühen Quellen zur italienischen Opernregie um 1940, vor allem mit Blick auf die Inszenierungen von Corrado Pavolini, einem der Pioniere der Wiederentdeckung alter Opern. Elena Petrushanskaya-Averbakh (Moskau) brachte unveröffentlichte Archivdokumente zur Premiere von Strawinskys The Rake’s Progress (Biennale Venedig 1951) ans Licht und sprach über die dem Libretto und den Prosatexten von Alexander Puschkin gemeinsamen Elemente. Alessandro Mastropietro (Catania) sprach über Amore e Psiche von Salvatore Sciarrino und ging dabei besonders auf die Dramaturgie des Werks und auf Dokumente zu dessen Premiere ein (Teatro alla Scala, 1973). Carlo Bianchi (Brescia) reflektierte die kompositorische Idee hinter der Klaviersonate 27. April 1945 von Karl Amadeus Hartmann und deutete sie vor dem Hintergrund des beklemmenden historischen Kontextes von NS-Terror und Zweitem Weltkrieg. Monica Boni (Reggio Emilia) zeigte den Einfluss Ligetis in den Kompositionen von Armando Gentilucci (1939–1989), einem der Pioniere der elektronischen Musik in Italien. Die Ethnomusikologin Simona Frasca (Neapel) präsentierte ein ebenso vergnügliches wie interessantes Beispiel von Musik-Piraterie: „Mixed by Erry“, einer Gruppe von Producern und Vertreibern internationaler Popmusik, die in den frühen 1980er Jahren illegal Geschäfte gemacht hat. Alexander Giovannucci (Teramo) erläuterte schließlich am Beispiel Fernando Liuzzis eine Episode der Beziehungen zwischen der deutschen und der italienischen Musikwissenschaft im frühen 20. Jahrhundert.

Das „Colloquio del Saggiatore musicale“ bewegte sich auf hohem internationalen Niveau und hat sich erneut als ideale Plattform erwiesen, auf der gerade eine junge Generation von Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftlern zu einem offenen und konstruktiven Austausch mit renommierten Vertreterinnen und Vertretern des Fachs findet und diese Gelegenheit auch engagiert und mit Begeisterung nutzt.